I TELL YOU MY STORY

How To Versicherung / Teil 1

Niemand liest gern Kleingedrucktes. Wirklich niemand. Wir erklären Dir alles Wissenswerte über I‘M SOUND deswegen in unserer How To Versicherung Video-Reihe.

 

HEUTE TEIL 1: „Ja geil, aber was kostet der Spaß überhaupt?“

 

Enjoy! ❤️❤️


Laura Carbone in Toronto / Traveldiary

Und dann sind wir in Toronto. Die Wettervorhersagen bereiten auf Sturm und Dauerregen vor, wir bleiben davon jedoch verschont und verbringen die ersten kanadischen Frühlingstage vor Ort. Es fühlt sich an wie Deutschland Anfang März - oder ein April, der macht was er will, brennender Sonnenschein, gefolgt von eiskaltem Wind. Toronto ist mir zu kalt und meine Entscheidung, ab nun auf Strumpfhosen zu verzichten, ist in Kombination mit zu kalten Klimaanlagen seit Flugzeug Richtung NY nicht die Schlauste. Ich erkälte mich bereits vor der Immigration und so fällt es mir, dank Schnupfnase, etwas schwer während dieser Woche Toronto vollständig einzuatmen.

 

Bei der Immigration in Toronto soll mein Gitarrist Mark fast ein Autogramm an den Officer geben, da dieser denkt, er sei der Gitarrist der Smashing Pumpkins. Why not - er hat ja auch gebräunte Haut… Wir warten in der Ankunftshalle eine weitere Stunde auf meinen Schlagzeuger Jeff und meine Gitarre, die beide New York ausgelassen haben und auf direktem Wege aus Berlin anreisen. Die Wiedersehensfreude ist groß, die Band nun komplett und so werden wir ins alte China Town im Osten der Stadt chauffiert, wo die Herren ein Airbnb ca. 150 Meter von meinem Zimmer beziehen werden. Ein ehemaliges Warenhaus, das zum Label-Loft umfunktioniert wurde, wird ab jetzt mein temporäres zu Hause sein.

Beim Aussteigen aus dem Taxi und dem Wiedersehen mit meinem kanadischen Label, stoße ich zum ersten Mal in Kanada einen Laut zwischen „Awww“ und „Ahhh“ aus - Die Ladenfront ist mit riesigen, bunten Postern für mein Album versehen. Mit meinem Gesicht. Crazy und so lieb von denen. Wir fühlen uns willkommen, entscheiden uns direkt den nächstgelegensten Asiaten aufzusuchen und eine wärmende Pho zu haben.

 

 

Meine Tage in Toronto sind wild durchmixt von täglichen Proben, Meetings, Konzerten, Sightseeing und Tacos. Auf Letzteres kann man meiner Meinung nach in Toronto jedoch verzichten und würde somit jedem empfehlen, sofern der eigene Gusto dies möchte, mehr nach Lachs Ausschau zu halten. Vielleicht möchte ich auch nur die rosarote Linie weiterführen und echte Toronto-Liebhaber schütteln hier den Kopf. Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist, dass Poutine nicht mein Fall ist. Dass Poutine eigentlich eher ein Gericht mit Ursprung in Montreal ist, weiß ich aber auch, danke. Auf unserer Essensliste stand dieses mächtige Gericht jedoch auf der 1: Pommes, Bratensoße, Speck, Cheese curds. Uff, mächtig.

Tatsächlich beginne ich mich nach Frischem und Gesundem zu sehnen, vermisse die große Auswahl an grünen Smoothies, die es in jedem Deli in NY gibt und bin aber sehr froh, einen Supermarkt und eine Küche in Reichweite zu haben. Zusätzlich integriert sich Ingwertee in meinen Tagesplan und löst diversen Eistee (ohne Zucker) ab, den ich ebenfalls in NY verschlungen habe.

 

Wir proben wirklich jeden Tag im hauseigenen Proberaum und so langsam bekommt dieser Trip einen Bandcamp-Vibe, der tatsächlich bei der ersten Probe unterstrichen wird, als Brodie’s neu geliehener Bassamp „durchraucht“ und am nächsten Tag von uns allen zum Musikladen eskortiert wird, um diesen umzutauschen.

Es gehört zum Klischee, sich Musikläden auf Tour anzuschauen und meistens gehe ich mit einem neuen Satz Saiten aus dem Laden, um wenigstens ein mini Souvenir für meine Gitarre gekauft zu haben. 

 

 

Beim Eintreten in diesen Musikladen im Westen Toronto‘s habe ich sofort das Gefühl schon mal hier gewesen zu sein. Da ich noch nie vorher in Toronto war, schiebe ich diesen Gedanken wie eine Wolke zur Seite und kaufe meinen Satz Saiten.

 

 

Bei der Rückfahrt meint Mark, dass er irgendwo her diesen Gitarrenladen kannte und er lachen musste über das Schild über den Gitarren mit „NO Stairway to Heaven“. Später erfahren wir, dass in diesem Laden DIE Szene aus Wayne’s World gedreht wurde, die Stairway to Heaven eine neue Bedeutung gibt. (Hierbei rate ich, sich dringend „Wayne’s World“ anzuschauen, sofern dies noch nicht passiert ist).

Ich ärgere mich, kein Foto gemacht zu haben, nehme mir beim nächsten Musikladen vor besser zu dokumentieren.

Wir schauen uns Brian Jonestown Massacre im Danforth an. Bevor ich jedoch das Loft Richtung Konzert verlassen kann, werde ich von meinem Label überrascht: Ein Karton. Und es fühlt sich an wie ein Geburtstag. Meine erste Ladung „Empty Sea“ ‚North American Edition‘ liegt vor meinen Füßen. North American Edition. Crazy. Mein Album. In meinen Händen. Ich bin so stolz, packe ein Exemplar aus und führe es fortan in meiner Handtasche aus. Noch bevor wir das Konzert erreichen, stelle ich sicher, dass die ganze Band das Exemplar sieht und es willkommen heißt wie ein kleines Baby.

Wir kommen vor dem Konzertsaal an und ab dem Moment entwickelt sich der Abend zu einem 70s Rock’n Roll Movie und erfüllt alles und noch viel mehr, was man sich von dieser Band erhofft. Nachts sehen wir ein Racoon zwischen den Häusern streichen und der Tierliebhaber in mir möchte es sofort streicheln, werde jedoch von gefühlt allen Anwesenden mit einem „NOOOOO“ aufgehalten. Ich nehme es ernst und gehe keinen Schritt mehr auf dieses süße Tier zu.

Wir werden viel über diese Racoons erfahren - sie sind in Toronto nur bedingt des Menschen Freund. Kontakt bitte nur mit Biomülltonnen - auf gar keinen Fall mit Menschen, da sie anscheinend zum Zanken neigen.

Die Biomülltonnen-Thematik wird ernst genommen; die Stadt hat extra Mülltonnen mit speziellen Verschlüssen konzipiert, sodass die Tierchen nicht mehr an Küchenabfälle als Hauptnahrung denken und Abstand vom Menschen halten. Dass diese Tierchen manchmal schlauer sind als der Mensch zeigt sich darin, dass es genau ein halbes Jahr dauerte, bis die ersten Racoons im wahrsten Sinne des Wortes den „Dreh raus hatten“ und selbst die neuen Tonnen, mit neuem Verschluss easy peasy öffnen können. Wir scherzen, ob das erste YouTube Tutorial eines Racoons bereits online ist „How to open the new trash can #Toronto.“

 

 

Das Highlight unseres Besuchs ist der eigene Showcase meines Labels, welcher Branchenmenschen, die dank der Canadian Music Week in der Stadt sind, zum ersten Live-Happening meinerseits einlädt. Es fühlt sich heimisch an, denn  das Konzert findet in der Vorhalle des Warehouses statt - in meinem Wohnzimmer der Woche sozusagen. Wir spielen bei Tageslicht unser erstes Konzert in Kanada, unser erstes Konzert mit meinem neuen Gitarristen Mark, der sich hoffentlich nicht direkt an Konzertanreisen per Flugzeug gewöhnt hat. Die Show wird gut werden. Im Warehouse tummeln sich alte Bekannte: Einer meiner engsten Freunde, erst nach Vancouver ausgewandert, kümmert sich um unseren Sound, Sea Moya, ebenfalls nach Kanada (Montreal) ausgewandert, winken vom Seitenrand. Zudem neue und alte Freunde, die wir vor und während unseres Trips kennengelernt haben. Und Businesskontakte. Wir lassen den Nachmittag ausklingen und läuten wenig später den Abend mit Drinks und Poutine ein. Enden im Ronnies Local 069, welches mich augenblicklich an meine Lieblingsbar in Berlin erinnert - mit hellerem Licht und mehr Hits in der Playlist. Die ganze Bar singt, als Smashing Pumkins - 1979 gespielt wird und ich definitiv weiß, an was mich Toronto erinnert: 90s, Dashboard Confessional, Death Cab for Cutie, irgendwie auch Grunge.

 

Rau, bodenständig und auf eine sehr charmante Weise unaufgeregt und roh. Und so erinnert sie mich an meine erste Wahlheimat Mannheim - ohne die Wärme, die man zwischen den Quadraten, im Luisenpark oder nur vor der Haustüre ab April spüren kann.

 

Wir kommen wieder, aber erst im Sommer.


Laura Carbone in New York City / Traveldiary

Wenn Laura Carbone reist, ist I’M SOUND dabei. Ihre neueste Reise führt die Musikerin in die USA und nach Kanada. In ihrem I’M SOUND Diary erzählt sie uns von ihrer Zeit in In New York, wo sie Inspiration sucht, alte Bekannte und neue Freunde trifft und natürlich ins Studio geht.

 

***

 

Ich habe nicht damit gerechnet, so schnell wieder mit meiner Band und mit einem Künstler, dessen Vinyl ich mir während unserer gemeinsamen Tour habe widmen lassen, in den Staaten in einem Studio in Brooklyn zu sein – vor allem bei solch frühsommerlichen Temperaturen.

 

Zwar ist der Trip lange präsent, jedoch so vage und selbst mir etwas zu surreal, um mir diesen in meinen Kalender einzutragen, sodass ich dieses Mal zu überwältigt von der Realität bin, um mir ausführlich Gedanken um meine Einreise zu machen.

 

Meistens halte ich mein ausgedrucktes ESTA bereit, kenne die Adresse meines US-Zuhauses auswendig und bin vorher 3 Szenarios von harten Fragen durchgegangen, zu welchen ich vorgefertigte Antworten parat hätte. „When is your birthday?“ bleibt die einzige Frage, die mir gestellt wird, bevor ich den Stempel auf mein Einreiseblatt bekomme und mir ein schöner Trip gewünscht wird.

 

Unter pinken Blüten, grünen Blättern und stahlblauem Himmel verbringe ich die Tage zwischen Manhattan und Brooklyn, zwischen Sound und Erkundungen, jedoch immer umgeben von Musik.

 

Wir werden auf dem Union Square begrüßt von Zach, einem engen Freund meines Bassisten Brodie, der uns durch die Tage navigieren und entertainen wird. Es gibt Austern als Begrüßungssnack - Happy Hour 1$ / Stück, kann man machen -  danach ein bewusstes Umherstreunen zwischen den Straßen Manhattans. We „call it a night“ nach einem reichhaltigen italienischen Abendessen und ich schlafe voller Vorfreude auf das Kommende selig ein.

 

Wir frühstücken im Five Leaves in Brooklyn, wo ich mich nicht entscheiden kann, ob ich mich nach Frühstück (süß) oder Mittag (salzig) sehne und entscheide mich für Lachs aka Lax, der mich wie ein roseroter Faden durch die Tage begleiten wird. Wir werden Kip im „Grumpy Café“ treffen, welches, so wird mir später erzählt, aus der Serie „Girls“ bekannt ist, worüber sich die meisten Williamsburger nicht wirklich gefreut haben. Ob wir uns dort treffen, weil der Name so gut passt, es ein berühmter Ort ist oder es einfach neben Kip’s Proberaum ist bleibt unklar. Ich tippe aber auf 3.

 

Dann beginnt er, der kreative Tag, der entspannter nicht hätte sein können. Wir schreiben, reden, lachen viel, gehen kurz zum Deli und beginnen dann von vorne und beenden den Loop nach einigen Wiederholungen mit Feierabend Tacos und Margeritas „just around the corner“. Es gibt kaum einen Moment, der unbemerkt an mir vorbeizieht und so sauge ich jede Minute auf und genieße alles, treffe dann etwas tipsy meine Band in Manhattan im Park. Wir liegen auf dem Gras, berichten vom Tag, während die Stadt vor sich hinpulsiert. Der Blick nach oben ist gesäumt von Hochhäusern,  pinken Blüten und grünen Blättern.

 

Lax auf Bagel mit Iced Tea - mein neu entdecktes Lieblingsfrühstück in der Stadt, die ich als Margerita City abspeichern werde. Der Cinquo di Mayo wird also mit Lax eingeläutet und Tacos und Margerita beendet. Zwischen des Essens werden wir die Zeit im Studio in Brooklyn verbringen, aufnehmen, Rooftop-Pausen, weiter aufnehmen. Die Realität bleibt surreal und so belebend.

 

Die Nacht wird lang und ausgelassen und wir entscheiden uns gegen das Uber für 40$ von Brooklyn nach Manhattan und nehmen die U-Bahn nachts um zwei zurück. 40 Minuten, die mir wieder vor Augen führen, wie realitätsfremd unser Leben sein kann. Wir wechseln die Wagons mehrere Male, was während der Fahrt nicht das cleverste ist, aber es ist schmerzhaft auf vielen Ebenen so präsent und nah die Realität anderer Menschen zu sehen. Auch diese Eindrücke werden ständiger Begleiter der Tage in New York sein - ein „gentle Reminder“ wie viel Glück und Sicherheit uns umgibt und uns meistens schonungsvoll, wie ein Wattebausch, fremd von Realität hält.

 

Ich gewöhne mich schon fast an meinen temporären Alltag: Erwachen in Manhattan, ein erstes „Hammer“, sobald ich die Haustüre auf die Straße öffne, bevor es zur U-Bahn Richtung Studio geht. Mit Bagel und Kaffee in der Hand laufe ich zum letzten Tag im Studio - kaum daran gewöhnt, schon fast vorbei. Genau wie ich es liebe. Es wird ein kurzer, entspannter Studiotag und ich habe das erste Mal Zeit durch Williamsburg zu schlendern und Vintage Läden zu betreten. Passender Weise wird ein GAP Kleidchen aus den 90ern fortan bei mir wohnen - ein Schnäppchen und mein blumiges Souvenir des Trips. Ein weiteres Wunschszenario findet am Abend statt - Ausflug auf die Dachterrasse bei Nacht. Dass man Manhattan sehen würde, war mir klar, dass der Anblick so überwältigend sein wird, war sehr unvorhergesehen. Ich könnte Stunden verbringen und mich von den Lichtern der Stadt blenden lassen, jedoch folge ich dem Hunger und meinen Freunden nach Chinatown. Wir erleben Künstler in den U-Bahnen, zahlen gerne die „Kulturtaxe“ für diese. Auf dem Broadway erblicke ich den Sternenhimmel und frage mich, warum die Künstler unter diesem ihr Talent darbieten und nicht auf ihm. Der Abend wird lustig und kulinarisch explosiv und New York schafft es mit links einen ständig auf den Boden der Tatsachen zu halten.

 

Der nächtliche Spaziergang von Chinatown nach Little Italy ist getränkt von Dolce Vita und Bitterkeit, wird jedoch permanent weichgezeichnet durch gedimmte Beleuchtungen in Neon. Der Abend endet im Comedy Cellar, wo mir ein Platz in der „Front Row“ zugewiesen wird, es aber wie durch Zauberhand geschieht, dass ich die einzige bleibe, die nicht von einem der zahlreichen Comedians angesprochen werde. Gott. sei. Dank.

 

Unser letzter Tag in New York wird mein erster Off Day sein, ich sündige mit einem NY Pizza slice, laufe auf der Highline und genieße das umherwandern und mein Dasein als Tourist. Tacos, Margeritas und gute Nacht. 

 

 

Ich verlasse die Stadt, die pinken Blüten und grünen Blätter, die gelben Taxis, den von Hochhäusern getränkten Blick nach oben und den Frühsommer. Ich denke an die Einreise nach Toronto und entscheide mich für den gefütterten Parker, der mich persönlich an einen Holzfäller erinnert, um zum einen bereit für die Kälte zu sein und mich zum anderen vor zu vielen Fragen zu schützen.


The Holy Grail Guitar Show 2018 / Aftermovie

I'M SOUND war mal wieder mit der Kamera unterwegs. Diesmal in Berlin auf der "The Holy Grail Guitar Show 2018", einer gar nicht mal so kleinen und äußerst feinen Gitarren-Ausstellung mit über 135 internationalen Ausstellern. Enjoy! 

 


SEA MOYA / Review SXSW 2018 

Hallo! Wir sind’s, Sea Moya! Wie versprochen melden wir uns wieder. Nach dem ersten Kapitel „Von Mannheim nach Montreal“ ist ein Monat vergangen. Seitdem sind wir 7.000 km durch 14 US Bundesstaaten gefahren, haben eine Zeitzone in wüstenartiger Hitze und eine Landesgrenze im Schneesturm überquert, um elf Konzerte, drei DJ Sets und eine Live Session zu spielen. Was in unserem Instagram Takeover für I’M SOUND schon erahnt werden konnte, lassen wir an dieser Stelle noch einmal für Euch Revue passieren: Sea Moya beim SXSW 2018 in Austin, Texas.

 

Die Reisegruppe war komplett: bis unters Dach vollgestopft, rollte der rostig-rote Dodge Caravan Anfang März über die US Grenze. Mit an Board eine komplette Backline, zwei Zelte und unser frisch aus Deutschland eingeflogene Soundmann Gregor. Erste Aufregung war überstanden: Visa & Reisegrund offiziell abgenickt. USA, here we come!

 

Nach siebenstündiger Fahrt (für nordamerikanische Verhältnisse ein Katzensprung) fielen uns beim Anblick der nächtlichen Skyline unseres ersten Tourstopps fast die Augen aus: New York City! Keiner der Sea Moya-Reisegruppe war schon mal da gewesen, weshalb die Aufregung auch ziemlich groß war. Die ersten Tage verbrachten wir staunend, Bagel-essend und Subway-fahrend mit Sightseeing (Freiheitsstatue, Guggenheim Museum, Central Park & Co.) und letzten Besorgungen (Cases, Bass Amp, Kabel & Co.). Nach der Kanada Premiere wenige Wochen zuvor, folgte dann unser erstes Konzert in den USA: gewohnt vertraut und ungewohnt aufregend verbrachten wir den Abend mit wunderbarem Publikum und zwei lokalen Bands im „Our Wicked Lady“ in Brooklyn.

 

Den Fakt, dass Sea Moya gerade ein Konzert in New York City gespielt hatte nur halb verdaut, fing der Roadtrip dann erst richtig an: die nächsten 48 Stunden verbrachten wir vorwiegend im Van (der es nach Prognose des kanadischen Automechanikers nur unwahrscheinlich bis nach Texas schaffen sollte), in Tankstellen, Diners und Motels, um die doch etwas unterschätzte Strecke nach Austin zu bewältigen. Stück für Stück wich die nordamerikanische Kälte dem frühlingshaften Wetter der Südstaaten: mit kurzem Zwischenstopp in New Orleans ratterten wir über die Highways von West Virginia, Kentucky, Tennessee, Alabama, Mississippi und Louisiana um nach 2.800 km in Texas anzukommen.

Nach der hartnäckigen kanadische Kälte die unsere ersten Monate bestimmt hatte, hieß es nun rein in die Birkenstocks, kurzen Hosen und Sonnenbrillen (der Sonnenbrand ließ nicht lange auf sich warten). Unsere Zelte schlugen wir im Garten der Tourmanagerin einer befreundeten Band „The Bright Light Social Hour“ auf.

 

Und los ging der SXSW-Wahnsinn. Wahnsinn? Seit 1987 richtet die mittelgroße Stadt Austin jährlich eine Konferenz für die Bereiche Musik, Film, Bildung und interaktive Medien aus. Schlaue Köpfe wie Bernie Sanders, Elon Musik, Arnold Schwarzenegger oder Steven Spielberg tauchen auf und geben ihren Senf dazu. Tausende Bands präsentieren sich innerhalb einer Woche der versammelten Musikindustrie. Und immer wieder läuft man bekannten Gesichtern aus Deutschland oder gar Mannheim (wie den Kollegen von Groovecat) über den Weg.  Für uns hieß das konkret: sieben Tage, neun Konzerte und drei DJ Sets in unterschiedlichen Locations über die Stadt verteilt. Wo man stand und ging, hörte man Musik, sah man Musiker Equipment durch die Straßen schleppen und generatorbetriebene Taco Buden. 

 

Direkt am ersten Tag lud uns das „German Haus“ ein. Dieses fungiert als „Botschafter für die deutsche Musikindustrie“ und präsentierte über die Woche verteilt Vorträge, „start-up pitches“ und Bands wie Joashino, Fenster, Emma Elisabeth uvm. 

In den nächsten Tagen folgten Konzerte an unterschiedlichen Orten vor unterschiedlichsten Leuten: von etwas reserviert wirkenden Hotelgästen in der Hilton Lounge, über Sushi-zubereitende Cryptocurrency Freaks hin zu privat organisierten Hauspartys war alles geboten. Dichte Zeitpläne, schreiende Stagemanager und eine immanente Parkplatznot forderten wohl die Belastbarkeit einer jeden Band heraus. 

 

Eine echte Herausforderung erwartete uns an Tag vier: drei Konzerte innerhalb von sieben Stunden verteilt über die gesamte Stadt. Es war also an der Zeit, unsere Qualitäten als Logistik Unternehmen unter Beweis zu stellen. 

 

3.00pm: Erste Station war eine Veranstaltung rund um den Krautrock Pioneer Konrad „Conny“ Plank, wozu uns das „German Haus“ erneut einlud. 40 Minuten vor sehr affinem, aber auch etwas zurückhaltendem Publikum. Zusammen mit unseren Band Buddies von den „Blackberries“ futterten wir uns im Anschluss durch deutsche Küche à la Bratwurst und Kartoffelbrei. Runter von der Bühne, Auto durch chaotischen Verkehr navigieren, einladen und weiter geht’s!

 

5.00pm: Vorfahren, direkt auf die Bühne, ausladen, Linecheck und go! In entspannter Pool Atmosphäre wurde die deutsche Bratwurst bei der „European Splash Pool Party“ von französischen Crêpes abgelöst. Nimm’ das, kanadischer Winter!

 

10.00pm: Letzte Station an diesem „Sea Moya Super Mittwoch“ war die Show beim „Fine Southern Gentlemen“. Fern ab vom hektischen SXSW Trubel funktionierten hier die Besitzer einer Druckerei ihre Lagerhalle zur Konzert Location um. Unter freiem Himmel spielten wir mit drei weiteren Bands aus Austin. Die Atmosphäre dabei fühlte sich deutlich direkter, ehrlicher und wärmer an. Ob Elias schon mal vorher auf einem Pickup Bass gespielt hat?! 

 

Nach einer Woche, die wohl intensiver, spaßiger und schlafloser nicht hätte sein können, hieß es dann Abschied nehmen von Austin und der mexikanischen Küche. So merkwürdig der SXSW Flair phasenweise anmuten mag, hatten wir doch eine unglaublich wertvolle Zeit, mit vielen zwischenmenschlichen und geschäftlichen Kontakten. Wir sind definitiv Profis im Ein- bzw. Ausladen und im Auf- bzw. Abbauen geworden und haben gelernt, entspannt im Halteverbot zu stehen oder mit einem Margarita in der Hand Zeitdruck auszuhalten.

Bevor wir uns wieder nordwärts Richtung neue Heimat Montreal aufmachten, gab es noch einen letzten Zwischenstopp: das „Valley Of The Vapors Festival“ im beschaulichen Hot Springs, Arkansas. In Unmengen menschlicher Herzlichkeit und Sonne eingepackt, verbrachten wir  hier zwei Tage, spielten ein Konzert, wurden eingeladen, interviewt und bekocht.

 

Nach weiteren 2.800 km rollten wir dann (ja, der Van hat es wahrhaftig geschafft) in das mittlerweile Heimatgefühle auslösende Montreal ein. Vielen

 

Dank an I’M SOUND für die Möglichkeit, hier unsere ersten Erfahrungen in Nordamerika teilen zu können! 

 

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Awwww, boys - thanks for the piggyback! Wir wünschen Euch alles Gute für die weitere Sea Moya Reise <3!


 🐎  MIT I'M SOUND ZUM 8. MAIFELD DERBY FESTIVAL IN MANNHEIM 🐎 

I'M SOUND verlost ein VIP-Maifeld Derby Wochenende (15.-17.06.2018) für 2 Personen im Wert von 600 Euro.

Im Deal inbegriffen sind:
- 2 Übernachtungen inkl. Frühstück im STAYTION Mannheim
- 2 Festivaltickets inkl. freier Fahrt im VRN-Netz

- Derby Dollar im Wert von 150 Euro

Einfach bis zum 21.05.18 unter www.facebook.com/mannheimer.imsound oder einer unserer Partnerseiten an der Verlosung teilnehmen.
Der Gewinner wird auf unserer Facebook-Seite bekanntgegeben und via PM benachrichtigt.
Wir wünschen Euch VIEL GLÜCK!

 

Teilnahmebedingungen

- Die Gewinner werden benachrichtigt und auf unserer Facebook-Seite bekannt gegeben

- Ein Anspruch auf Auszahlung des Barwertes des Sachpreises besteht nicht

- Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

- Ausgeschlossen von der Teilnahme sind Mitarbeiter*Innen der Mannheimer Versicherung AG  


SEA MOYA / Von Mannheim nach Montreal - eine Band wandert aus

Tapetenwechsel. Sachen packen und raus. Einfach mal auswandern - Den Gedanken kennt sicher jeder. Was sich schnell mal denkt, ist jedoch gar nicht so leicht umzusetzen. Vor allem nicht für eine Band, die zwar total Bock auf Veränderung, aber eben auch kiloweise Equipment am Start hat.

 

Sea Moya aus Mannheim haben es trotzdem getan und sind bis auf weiteres ausgewandert. Eli und David erzählen I'M SOUND von ihrer Reise "von Mannheim nach Montreal" und werden uns in einem Insta-Takeover und einem Fotoblog von ihrem Trip zur SXSW Anfang März berichten. Enjoy!

 

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Wir sind Sea Moya und machen seit 2014 Musik, die wir selbst als Collage aus Psychedelic, Electronica, Kraut und Afrobeat bezeichnen würden. Nachdem wir in den ersten Jahren zwei EPs veröffentlicht und europaweit Shows und Festivals gespielt haben, juckte uns irgendwie der Gedanke nach Veränderung in den Fingern. Dies weniger im Bezug auf unsere musikalische Ausrichtung, sondern viel mehr auf das Setting, in dem die Musik stattfinden sollte: neues Umfeld, neue Szene, neue Menschen.

 

Die Entstehung unserer letzten Platte „The Baltic States EP“ gab uns bereits einen kleinen Vorgeschmack darauf, was es bedeuten kann, sich für kreative Prozesse in ein völlig neues und unbekanntes Surrounding zu katapultieren. Wir haben unser Mannheimer Studio für die Aufnahme damals kurzerhand outdoor-fähig in einen VW Bus gepackt, sind durch die Baltischen Staaten gefahren und haben in Wäldern, an Stränden und entlegenen Orten Songs geschrieben und aufgenommen.

 

Nach ehrlich gesagt nicht allzu vielen Überlegungen fiel Anfang letztens Jahres die Entscheidung, nach Kanada zu ziehen. Mit den Attributen „musikaffin“ und „bezahlbar“ bot sich eine nordamerikanische Stadt besonders als neue Heimat an. Eine Stadt, aus der ungewöhnlich viele Bands und Labels stammen, die uns anziehen. Mit der Bestätigung unserer Visa war es letztendlich beschlossene Sache: auf geht’s in die bilinguale, zweitgrößte Stadt Kanadas und Home of Poutine-Lovers: MONTREAL.

 

Visa, Transport, Versicherung und all die anderen Dinge, die organisiert werden wollen, wenn man sich als Band entscheidet auszuwandern, hatten wir wohl anfangs etwas unterschätzt. Größte Herausforderung: wie um alles in der Welt bekommen wir unser Gear da rüber? Was kann mit? Was muss mit? Was müssen wir zurücklassen? Abwägen, auseinanderschrauben, wiegen, verpacken und umpacken bestimmten die letzten Tage vor der Abreise. (Für Interessierte: mit ins Gepäck schafften es diverse Synthesizer und Controller, Effekte, Drummachine, Interface, Gitarre, Becken, Vinyls und ein Sammelsurium an Mikrofonen, Kabeln und Stromadaptern). Dann ging alles doch ganz schnell und seit einigen Wochen tragen wir nun den „Bienvenue au Canada“ Stempel im Reisepass.

Begrüßt wurden wir eisig, zumindest in meteorologischer Hinsicht: eine Jahrhundertkälte mit bis zu - 38 Grad Celsius tat der  vorrangigen Herzlichkeit der Kanadier aber keinen Abbruch. Dank „WOW Air“ schaffte es auch der Großteil unseres Equipments unbeschädigt in die Schneelandschaft Montreals.

 

Die ersten Tage und Wochen hier in Kanada waren von einer Intensität geprägt, die (Aus-)Reisenden wohl nicht unbekannt ist: Wohnung suchen, Behördengänge meistern, sich sprachlich und geographisch zurechtfinden, erste Kontakte knüpfen, erste Biere trinken, Konzerte besuchen, Fühler ausfahren und ein Gespür für die Szene bekommen.

 

Um möglichst bald Konzerte spielen zu können, lautete unser Credo: Gear beschaffen. Bei laufendem Motor wurden Deals in überdimensionalen Pickups verhandelt, in gebrochenem Französisch gebrauchte Synthesizer gekauft und durch die Stadt geschleppte Amps direkt auf ihre Schneesturmtauglichkeit geprüft. On top verbrachten wir Stunden in einem der charmantesten und zugleich chaotischsten Reparaturläden Montreals, um mitgebrachte elektronische Instrumente auf die hiesige Stromspannung umzugewöhnen. Peu à peu fanden wir uns zurecht, verstanden, dass man einen Bus nur in einer feinsäuberlichen Menschenschlange betritt und Drumsticks „les baguettes“ heißen.

 

Mit gefundenem Proberaum und teilweise etwas sporadischem Equipment standen dann endlich die ersten Shows in Ottawa und Montreal an: auf der einen Seite ein gewohntes Gefühl (Sea Moya spielt Konzerte), andererseits ein unglaublich surreales Gefühl (Sea Moya spielt Konzerte IN FREAKIN CANADA!). Manchmal müssen wir uns noch zwicken.

 

Montreal hat uns bisher einen super smoothen Start gegönnt: wir haben großes Glück, so viele liebe und inspirierte Menschen kennenzulernen. Mittlerweile stecken wir mitten in den Vorbereitungen, unser Debut Album im Laufe des Jahres zu veröffentlichen. Vorher geht es aber erst mit Sack und Pack im frisch erstandenen (und rostigen) Dodge Caravan nach Austin, Texas, um Teil des SXSW Festivals zu sein. Seid bereit für weitere „Sea Moya goes SXSW“ News von vor Ort - wir freuen uns drauf! Stay put!"


Musiker erzählen - wir haben zugehört

 

ANGIE TAYLOR - "Das Schlimmste was mir passieren könnte, wäre, wenn mir mein Bass geklaut werden würde!"

 


ANGIE TAYLOR / Date im Panic Room

 

Ich habe ein Date mit Angie Taylor. Mit unserem Kamerateam fahre ich in den Mannheimer Norden, um die Künstlerin in ihrem Refugium zu treffen. "Willkommen in meiner Höhle!", die Bassistin und DJane begrüßt uns gut gelaunt an der Tür und winkt uns ins Dunkle. Ihre Höhle, das ist der Panic Room, der sich nach Club anfühlt, aber in erster Linie Studio ist. Hier entstehen neue Songs und Taylors Online-Streams. "Viel zu oft habe ich hier auch schon übernachtet, weil es sich einfach nicht gelohnt hat, nach Hause zu gehen." Dabei ist der aufwändige Ausbau des Gewerbekellers ursprünglich aus einer Not heraus entstanden. Taylor, aus dem klassischen Bandkontext kommend und neu im elektronischen Musikmetier, wollte in Clubs auflegen. Die Clubs aber wollten Referenzen. Also baute sie sich ihren eigenen "Club", um etwas vorweisen zu können. Reichweite zu generieren. Der Ausbau erfolgte komplett DIY. "Ich habe hier drin tatsächlich alles selbst geschraubt, gebohrt und verkabelt und dann begonnen, Live-Sessions aus dem Panic Room zu streamen." Machen, und los. Das ist Angie Taylor. 

 

Erst Autodidaktin in Punk Bands, dann Studentin an der Jazzhochschule. Es folgen abgeschlossene Ausbildungen zur Feinmechanikerin, Musikalienhändlerin und letztlich der Master an der Popakademie. Angies Weg klingt länger als sie alt ist und führt beeindruckend stringent von einer Männerdomäne in die nächste. Sie ist Session- und Live-Musikerin, spielt in TV-Showbands und diversen eigenen Bandprojekten, bis sie schließlich Techno und Live Producing für sich entdeckt. Künstlerisch sieht sie sich als Hybrid aus Techno DJ und Live Act, arbeitet auf der Bühne mit Traktor und Ableton Live, spielt Bass, mischt Effekte, Snippets, und ihre Stimme zu energiegeladenen, meist dunklen Tracks.Ihre Tracks veröffentlicht Taylor bisher über ihr eigenes Label, ihre Singles Floating und Dawn ließ sie u.a. von John Hayden remixen. Die im Januar veröffentlichte EP FIRE ist deutlich melodischer als die Vorgängerproduktionen, mit spürbarer Nähe zu Jean Michel-Jarre, den sie bekennend verehrt. Auch als Remixerin und Co-Produzentin wird man in Zukunft von Taylor hören. 


Ob sie angekommen sei in der neuen, elektronischen Welt, will ich abschließend wissen: "Ich würde sagen, dass ich meinen Fuß in die Tür gequetscht habe und meinen Körper noch irgendwie reinpresse, ob sie es wollen oder nicht, ich bin da!" (lacht)

 

HIER kommt Ihr direkt zu den Panic Room Streams.

 

Das Artist Video mit Angie Taylor findet Ihr in Kürze hier!


Musiker erzählen - wir haben zugehört

 

CHRISTIAN BETHGE. "Was mich interessiert, sind Sachen, die alt klingen, eigen klingen und einen gewissen Vibe haben. Sie können auch mal kaputt klingen, das ist mir egal. Es geht nur um Charakter."

 


DAY THREE / Von Klang, Butter und Perfektion - ein Gespräch mit Christian Bethge

 

 Es ist nasskalt und windig, als wir auf das riesige Gelände fahren, auf dem wir Chris treffen sollen. Wir parken unsere Autos neben imposanten Industrieanlagen und suchen im Nieselregen den Eingang zum RAMA Studio. Kein Türschild, keine Wegbeschreibung auf der Homepage. Natürlich nicht. Kein Unbefugter muss wissen, wo sich das Studio genau befindet. Als Versicherer freut uns diese professionelle Vorsicht. In diesem Augenblick fluchen wir trotzdem.

 

Letztlich kommt uns Chris über den Hof entgegen. Gemächlich, eingepackt in eine dicke, braune Jacke winkt er uns, ihm zu folgen. Er schließt die Eingangstür und die nasskalte Welt hinter uns aus. Ruhe. Toll.

 

Über enge Treppen und Gänge, vollgestellt mit Gerümpel und Industriezeugnissen vergangener Tage, gelangen wir an die schwere Studiotür. Bisher deutete nichts darauf hin, dass in diesem alten Butterfabrik-Gebäude Musik aufgenommen wird. Chris öffnet die Tür und das Bild ändert sich schlagartig. Ein unfassbar großer, warm beleuchteter Raum liegt vor uns. Chaotisch auf den ersten Blick. Einladend chaotisch auch auf den zweiten. Uns gegenüber eine Wand aus Amps; zur linken eine Gruppe aus Bandmaschinen, Pulten und Orgeln; zur rechten eine Regalwand voller Pedale, Synthesizer und Mikrofonen. Dazwischen immer wieder Kabel und Stative. Equipment so weit das Auge reicht. Wir sind im Himmel. Chris grinst: „Willkommen im Rama-Studio!“

 

Wir interviewen Chris vor der eindrucksvollen Verstärker-Wand. Dieser Typ mit Wuschelhaar und Rundbrille, der Klang und Atmosphären mehr liebt als Perfektion, ist so sympathisch wie nerdig und knochentrocken im Humor. Wir hingegen sind oft bis zur letzten Sekunde seiner Aussagen nicht sicher, ob er Dinge ernst meint oder grundironisch. In knappen Sätzen erzählt er uns, wie er über die Jazzplatten seines Opas zur Musik kam. Warum er den Klang alter Studiotechnik so liebt und wie er als passionierter Sammler analoger Studiotechnik im Internet auf die Pirsch geht. Dass er manchmal mehrere Jahre im Netz stöbern muss, bis er das begehrte Teil in gewünschtem Zustand kaufen kann und was ihn bei live-Aufnahmen im Studio fasziniert. (Post) Punk Bands wie Gewalt und French Nails nehmen bei ihm auf, ebenso wie die Sängerin Laura Carbone.

Wie seine Freundin seiner Sammelleidenschaft gegenüberstünde, fragen wir. „Meine Freundin ist Fotografin, die versteht das mit der Technik-Leidenschaft gottseidank ganz gut. Aber mal wieder in den Urlaub fahren, fände sie sicher auch mal wieder okay.“, räumt er ein.

 

Wir müssen gehen. Gleich kommt eine Punk Band, die sich im Studio eingemietet hat. Da sein Partner die Produktion betreut, haben wir noch etwas Zeit mit Chris und begleiten ihn auf eine der verlassenen amerikanischen Militärbasen der Stadt. Er will dort Locations für bevorstehende Produktionen scouten.

 

In einer leerstehenden Lagerhalle („Super! Hier will ich was machen!“) redet er sich auf die Frage nach dem Thema Versicherung warm. „Feuer. Diebstahl. Wasserrohrbruch. Ich hab nachts manchmal Albträume von sowas.“ Nach einer kurzen Pause fügt er an: „Jetzt hab' ich voll Bock mich zu versichern!“ Er lacht. Wir auch. Wieder so eine Aussage, bei der wir uns nicht ganz sicher sind.

 

Bis ein paar Wochen nach dem Dreh unser Telefon klingelt. Chris ist dran: „Ey, ich hatte heute Nacht wieder einen krassen Albtraum. Können wir reden?“

 

Gerne doch.

 

Infos zum Rama Studio: www.rama-studio.com

Das Artist-Video mit Chris findet Ihr in Kürze hier! 


ARTIST TALK - INTERVIEW MIT DENNIS LYXZEN

 

Sie waren im Oktober gemeinsam auf Tour - Laura Carbone und die schwedische Band INVSN. Laura, die elf Deutschlandtermine von INVSN supportete, sprach exklusiv für uns mit Sänger Dennis Lyxzen unter anderem über Tour- und Heimkomm-Routinen, #metoo und Social Media habits. Enjoy!

***

Laura: Ihr scheint das ganze Jahr auf Tour gewesen zu sein, wie hat es sich angefühlt nun nach Hause zu kommen? Brauchst Du lange, um wieder richtig „anzukommen“?

 

Dennis: Wir waren recht viel unterwegs dieses Jahr, zwar nicht so viel, wie ich es mir gewünscht hätte, beklagen kann ich mich aber nicht. Ich toure seit Ewigkeiten und habe gemerkt, dass Routinen für mich extrem wichtig sind. Ich muss die gleichen Dinge tun, wenn ich zu Hause ankomme, dann ist es sehr einfach, wieder „anzukommen“. Meistens brauche ich ein bis zwei Tage, bevor ich wieder im „home-life“ angekommen bin. Nach einer Woche jedoch, will ich direkt wieder auf Tour.

 

Laura: Also gibt es ein bestimmtes „Nach Hause komm“-Ritual? Bereitest Du schon vor der Tour Deinen Kühlschrank aufs Heimkehren vor, oder legst Du schon vorher frische Bettwäsche auf?

 

Dennis: Ein leerer Kühlschrank ist tatsächlich das Allerschlimmste. Ich putze meine Wohnung immer, bevor ich gehe, so dass es sich direkt gut anfühlt, zu Hause zu sein. Aber ja, ein leerer Kühlschrank ist der absolute Alptraum.

 

Laura: Welche Platte hast Du Dir nach dem Heimkommen direkt angemacht?

 

Dennis: Als ich von unserer Tour nach Hause kam, hab' ich direkt die aktuelle Platte der Hardcoreband „Burn“ aufgelegt.

 

Laura: Ich weiß, dass Du Dich sehr um Deinen Körper und Deinen Geist kümmerst und Dich vorbildlich ernährst. Aber wie schaffst Du das auf Tour? Als Allergikerin hab' ich mich so schlecht vorbereitet und keine „Emergency Snacks“ bei mir gehabt, wodurch ich teilweise vergessen habe zu essen - was total dumm ist. Wie machst Du das? Was kannst Du empfehlen?

 

Dennis: Nein, ich hab' keine Toursnacks! Ich versuche mindestens zwei gute Mahlzeiten pro Tag zu mir zu nehmen und ich MUSS unbedingt mindestens zwei Stunden vor der Show essen.

 

Laura: Bei manchen Touren ist dies ziemlich schwer umzusetzen - zum einen durch das viele Reisen, aber manchmal sind auch

die Promoter leider nicht so zuvorkommend wie man sich das wünschen würde.

 

Dennis: Etwas, das auf jeden Fall hilft gesund zu bleiben, ist, wenig Alkohol zu trinken und zu versuchen, erholsam zu schlafen - sofern das möglich ist. Ebenso dehne ich mich und mache Yoga, aber für ein wirkliches Workout fehlt mir die Energie. Meine Performance ist das wahre Workout! (lacht).

 

Laura: Nimmst du etwas Besonderes mit auf Tour, dass dich an zu Hause erinnert?

 

Dennis: Nicht wirklich. Manchmal, wenn ich Heimweh bekomme, höre ich mir Musik von zu Hause an, besonders, wenn diese auf Schwedisch ist. Diese gewisse Melancholie, die die schwedische Musik oftmals mit sich bringt, passt perfekt zur Sehnsucht nach dem eigenen Bett und etwas Privatsphäre.

 

Laura: Ich war so beeindruckt von der Art, wie ihr als Band über ernsthafte und politische Themen auf der Bühne gesprochen habt. Die letzten Wochen ging der Hashtag #metoo um die Welt und natürlich hast Du das auch auf der Bühne angesprochen. Inspiriert davon habe ich angefangen, Nachrichten, die ich als Künstlerin über Social Media erhalte, meiner Band vorzulesen. Die positiven, aber auch die negativen, die in die #metoo Bewegung passen. Ich bin mir sehr sicher, dass auch Du als Mann solche Nachrichten erhältst. Wie reagierst Du darauf? Reagierst Du überhaupt?

 

Dennis: Dankeschön. Ich fand es schon immer unheimlich wichtig, über Dinge zu sprechen, die relevant und präsent sind. Musik kann zwar auch nur Entertainment sein, aber für mich war sie schon immer viel mehr - ein Weg um sich mit der Welt, aber auch unseren eigenen Problemen auseinanderzusetzen. Und wenn dies die Menschen zum Nachdenken oder Reagieren anregt, ist das

fantastisch.
Und als privilegierter weißer Mann muss ich sagen, dass ich mit solchen von Dir angesprochenen Nachrichten weniger betroffen bin. Aber klar, oft sind die Menschen, die kein Blatt vor den Mund nehmen, nicht wirklich beliebt - mich erreichen dann eher Morddrohungen oder andere Dinge in diese Richtung. Ich widme dem jedoch nicht wirklich viel Aufmerksamkeit… Mit dem ganzen Scheiß, den ich so auf der Bühne, in Lyrics oder Interviews sage, würde es mich eher wundern, wenn die Leute nicht reagieren würden.

 

Laura: Social Media Content ist ein anderes Thema, welches Du auf der Bühne angesprochen hast. Wie regelt Ihr das mit Social Media - ist das eher eine Last oder ein Vergnügen?

 

Dennis: Es kann lustig und kreativ sein. Was mich jedoch stört, sind die Leute, die scheinbar mehr Zeit damit verbringen, sich ein Following auf Social Media aufzubauen, anstelle zu üben und Songs zu schreiben. Wir sind da oldschool. In meiner Welt

schreibst Du Lieder, gehst auf Tour und bildest Dir eine Fanbase. Nicht dadurch, 24/7 zugänglich und erreichbar zu sein. Wie auch immer, für mich ist das alles nicht so wichtig. Es ist ein guter Weg, um mit den Menschen, die Deine Musik mögen, in Kontakt zu bleiben und um unsere nächsten Schritte zu kommunizieren.<

 

Laura: Gibt’s ein Lieblingsbild von der Tour?

 

Dennis: Tatsächlich - jemand schoss ein Bild von INVSN vor dem Gleis22 in Münster. Ich mag es, weil du auf den ersten Blick erkennst, wie gut wir alle miteinander befreundet sind, es lieben Musik zu machen und miteinander abzuhängen. Das ist der aller wichtigste Aspekt des Ganzen.

 

Laura: Um das Interview zu schließen - was war dein „Favourite thing to do“ auf der Tour?

 

Dennis: Es geht immer um die Shows, die Musik. Die Möglichkeit zu haben. aufzutreten, zu schwitzen, Spaß zu haben. Ich liebe es zu reisen und ich liebe es in Veggie-Restaurants und Plattenläden zu gehen - aber diese Stunde auf der Bühne - die ist die wahre Magie.

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Danke Laura und Dennis für dieses Interview! Die Live-Energie der Band könnt Ihr im neuen Video "Deconstruct Hits" bestaunen.


I'M SOUND @ Archtop-Forum 2017

 

Was für eine unglaubliche Veranstaltung mit so vielen netten Menschen! Am Wochenende waren wir beim Archtop Forum 2017 mitten im Gewusel und haben ein paar tolle Eindrücke für Euch zusammen geschnitten. Enjoy!

 


LAURA CARBONE / AUF TOUR MIT INVSN - TOURDIARY No. 2

 

Die Schwedische Band INVSN ist mit ihrem Album "The Beautiful Stories" derzeit weltweit auf Tour. Bei 11 Tourdaten in Deutschland als Support mit dabei: unser Markengesicht Laura Carbone. Für I'M SOUND hält die Mannheimer Musikerin ihre ganz eigenen "Beautiful Stories" in einem exklusiven Tourdiary fest.   

 

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Dass ich in meinem Tourdiary das ein oder andere Detail verschweige oder auslasse wird dem Leser bewusst sein.

 

Dass ich nachträglich ein wichtiges Detail erwähnen werde, ist auch für mich neu.

 

Leipzig. Jan reist aus wichtigen Gründen nach der Show ab, ich hoffe, dass er nach dem Offday in Nürnberg wieder bei uns ist.

 

Nürnberg. Offday. Lisa und Laura im SPA, Brodie kocht, Jeff arbeitet, Jan ist nicht da. Es wird Abend, Brodie und ich beginnen am Plan B für die nächste Show in München zu arbeiten: Duo Show. Ceremonial Set in meinem Jargon.

 

München. Wir fahren bei strahlendem Sonnenschein in die Stadt, beschließen nach dem Einchecken im Airbnb die Zeit bis zum Soundcheck an der Isar mit einem Bier zu verbringen. Das von mir gebuchte Airbnb fällt unter die von meiner Band neu gegründete Kategorie „Lovenest“, die bis zum Ende der Tour noch drei Mal in Erscheinung treten wird.

Ich bin peinlich berührt meine Band in einem lauten, unschönen Apartment unterzubringen, entschuldige mich und blicke in Richtung Isar.

Es kristallisiert sich bald heraus, dass unser Plan B zu Plan A wird. Galgenhumor und Nervosität werden Brodie’s und meine besten Freunde bis zur Show: Ceremonial Set  - here we go. Soundcheck - wir sind nervös, ich denke mir, das wird schon klappen und wir verbringen die letzten 50 Minuten bis zur Show bei einem Italiener um’s Eck. 

 

Wir bestellen eine Flasche Lieblingswein - Nero D’Avola - er ist ausverkauft - wir trinken Hauswein, die Zeit beginnt zu rennen während unsere Bestellung mit viel Liebe zubereitet wird. Brodie bekommt seinen Salat, Lisa ihre Pizza, ich erhalte meine Miesmuscheln in Tomatensoße 5 Minuten bevor wir zurück zum Club müssen. „Miesmuscheln zum Mitnehmen“ wird ein neuer Running Gag werden - während ich also die unfassbar leckere Platte Miesmuscheln verschlinge, steigen Beides - Galgenhumor und Nervosität ins Unermessliche.

 

Wir lachen viel, finden uns plötzlich auf der Bühne und beginnen unser Set. Es wird das kommunikativste Set sein und ich werde mich mehrmals über Brodies Talent und Spiel freuen, mir werden diverse Steine vom Herzen fallen und am Ende des Sets werde ich eine sehr große Portion Serotonin in mir tragen.

Brodie, mein Bassist, mit dem ich seit gut vier Wochen in einer Band spiele, wird der Mann des Abends sein. Wir werden feiern nach der Show.

 

Münster. Jan ist wieder da! Wie sehr hab ich ihn vermisst! Wie sehr haben wir ihn vermisst! Mit ihm unser Tourmanager Rabin, der sich spontan dazu entschließt die zweite Hälfte der Tour einfach mitzufahren. Wie schön, alle da, alle happy.

Die Show wird laut und gut, ich werde danach das schönste Kompliment der Tour erhalten: „Wie du deine Gitarrenpedale im Griff hast, finde ich so cool!“

Wir verbringen eine weitere Nacht in einem sauberen Lovenest.

 

Wiesbaden. Wir fahren endlich in Richtung Heimat. Treffen meinen guten Freund Kevin zum Lunch  und Eisessen in Mainz, bevor wir an der Venue ankommen. Es ist weiterhin spätsommerlich, sodass wir die Zeit bis zum Soundcheck auf dem Asphalt sitzend verbringen.

Die ersten Freunde werden heute Abend das Konzert sehen - die neue Besetzung, die neuen Songs. Wieder einmal bin ich sehr nervös.

Dennis ist sehr gut im Ablenken, liebt die überdimensionale Landkarte im Backstage und erklärt, während er mit dem Finger über Schweden kreist wo er und die Band genau wohnen. Acht Stunden nördlich von Stockholm. Wenig Sonne und viel Kälte. Mich frierts, wir gehen zur Bühne.

Spielen unser Set, begrüßen unsere Freunde, genießen den Abend, fahren nach Mannheim.

 

Saarbrücken. Unser neuer Stützpunkt für die nächsten Tage wird Mannheim sein. Eine liebe Freundin vertraut mir ihre Wohnung für meine Band an. Sie werden die Quadrate kennenlernen und begeistert sein von der Authentizität und dem türkischen Essen rund um den Marktplatz. Da ich Entspannung liebe, buche ich mir für den Mittag eine Massage bei einer lieben Freundin. Ich werde einschlafen, eine Stunde zu spät aufwachen und so entspannt wie noch nie akzeptieren, dass wir eventuell zu spät für den Soundcheck sein werden.

Alles wird gut gehen, Soundcheck, Konzert, Rückfahrt nach Mannheim - Late night Dinner bei Meydan.

 

Weinheim. Meine Eltern lassen es sich nicht nehmen meine Band zum Mittagessen einzuladen. Somit werden sie die bisher weitgereistesten Gäste im Esszimmer sitzen haben. Jeff aus Alabama, Brodie aus Neuseeland. Beide sind zum ersten Mal gezwungen nur deutsch zu sprechen, klappt wunderbar und ist herrlich erfrischend. Es gibt Kürbissuppe mit selbstgemachten Ravioli, Pasta mit Auberginen und Tomatensoße und Eis. Perfetto!

 

Die Band ist nun auch im Elternhaus bekannt, wir brechen zum Klischeegang auf Tour auf: Musikladen. Jeder braucht irgendwas und während Brodie für Lisa auf einer viel zu teuren Gibson Les Paul ein Ständchen spielt fällt mir auf, wie viele Paare hier sind. Die Herren spielen Gitarren, die Damen hören gespannt zu. Ich muss an Troubadix aus Asterix und Obelix denken und lachen.

Der Abend wird sehr schön werden. Viele Freunde finden sich zum Konzert ein, INVSN werden, wie ich finde, ihr bestes Konzert spielen und wir - INVSN, LC und meine Freunde verabreden uns für nach der Show ins Hagestolz nach Mannheim. Es wird ein großartiger Abend werden, voller Prosts und Skåls, Wehmut wird zum ersten Mal präsent werden. Nur noch eine Show.

Der Abend endet nach Pommes und Falafel auf der Jungbuschstraße, wenn wir singen „We're not gonna sit in silence - we’re not gonna live with fear - Oh WO WO WO, OH WHOWHOWWO….“

 

Köln. Ich öffne meine Augen und bin bereit für Hangover. Er ist nicht da, er wird nicht kommen. Ein Geschenk des Himmels. Wir frühstücken gemeinsam in der Jungswohnung, brechen auf nach Köln. Dort erwartet mich noch vor dem Soundcheck ein Polaroid Fotoshooting und die Wehmut, die nicht verschwinden wird. Nach unseren Shows werden wir uns auf einer Couch im Zuschauerraum finden. Beide Bands, erleichtert, glücklich und in bester Laune. Ich spüre zum ersten Mal Glück, Erleichterung, Zufriedenheit und meinen erschöpften Körper. Wir werden noch lange sitzen, Prosts und Skåls aber auch Merch austauschen, noch einmal John Farnham’s - You’re the Voice singen und uns bei jedem 10x verabschieden und bedanken.
 

Wir werden die Nacht in einem wunderschönen Lovenest verbringen. Ich schließe meine Augen: Tour is ova.


LAURA CARBONE / AUF TOUR MIT INVSN - TOURDIARY No. 1

 

Die Schwedische Band INVSN ist mit ihrem Album "The Beautiful Stories" derzeit weltweit auf Tour. Bei 11 Tourdaten in Deutschland als Support mit dabei: unser Markengesicht Laura Carbone. Für I'M SOUND hält die Mannheimer Musikerin ihre ganz eigenen "Beautiful Stories" in einem exklusiven Tourdiary fest.   

 

***

 

Wir sind „On the Road“ - für fast zwei Wochen - ich kenne das Spiel seit Jahren: Packen, reisen, ankommen, auspacken, Soundcheck, Konzert spielen, einpacken, weiterfahren. Eine Routine habe ich trotzdem nicht. 

Bereits im Vorfeld weiß ich, dass diese zwei Wochen voller neuer Erfahrungen sein werden. Eine fast neue Band wird mich begleiten, wir spielen überwiegend neue Songs. Es gibt keinen Bus, keinen Fahrer, keinen Tourmanager, keinen Techniker. Wir reisen Low Budget in einem mir überlassenen Familienwagen - „the italian dad’s car“. Wir schlafen in Airbnbs, ich bin der Chauffeur, wir schaffen Soundchecks in teilweise 5 Minuten. Unser Tourmotto wird „in der Ruhe liegt die Kraft“ sein. 

 

Wir begleiten die aus Schweden stammende Band INVSN um Dennis Lyxzen, die mich auf und abseits der Bühne einiges lehren wird. „Never fall in love - it will kill your creativity.“ - Die erste Weisheit, die Dennis mir ans Herz legt. „Looking forward to the heartbreak“, meine kurze Antwort.

Hamburg wird die erste Show sein. Autobahn aus Richtung Berlin. Ich fahre, während Chris Isaak’s „Wicked Games“ mich in die Tour träumen lässt. Ich werde geblitzt und bin plötzlich wieder in der Realität. Meine Band wird in Hamburg komplett sein, mein Gitarrist Jan und meine Schwester Lisa, die sich um den Merch kümmern wird, reisen mit der Bahn aus Mannheim an. 

Die erste Vorstellungsrunde mit INVSN ist schüchtern, aber sehr herzlich und wir fühlen uns willkommen. Soundcheck - Show, es geht alles sehr schnell und ehe ich mich richtig umsehe, sitzen wir schon wieder im Auto. Die erste Show in der neuen Formation nun hinter uns - Erleichterung…

Schon in Berlin realisierten wir, dass mein Auto eventuell zu klein ist - nach der Show in Hamburg dann die Gewissheit und eingeschlafene Füße und Arme bei den Leuten auf dem Rücksitz. Es scheint zur Tradition zu werden, dass wir nach den Hamburg Shows weiter nach Berlin fahren. Fast schon ein Running Gag wie schrecklich diese Fahrt nach einer Show ist, trotzdem tun wir es immer wieder.

 

Berlin. „Warum schon so früh in der Tour?“, denke ich mir. Shows in der Stadt machen mich nach wie vor sehr nervös. Ein hoch professioneller Soundcheck in 5 Minuten mit dem hervorragenden Haustechniker ändern nichts daran, ebenso wenig die zwei Gläser Wein, die ich anstelle eines Abendessens zu mir nehme. Wir spielen ein gutes zweites Set und ich sehe zum ersten Mal die Show von INVSN und bin sehr angetan von Sound, der gesamten Band und Dennis’ Performance. Ich werde mir auch die kommenden Shows ansehen und mich jedes Mal kaum wegreißen können von der Intensität der Musiker. 

Berlin verleitet mich zu einem Anfängerfehler, den ich eigentlich doch schon längst durchschaut habe…

 

Nürnberg - Hangover calling. Zu wenig geschlafen, zu wenig Wasser getrunken. Anfängerfehler. Aber warum ist Berlin auch die zweite Stadt der Tour? Ich nehme mir vor bis nach dem Off Day nichts zu trinken. Es wird mir gelingen. Unser Autoproblem lösen wir auf dem Weg nach Nürnberg übrigens durch eine Mitfahrgelegenheit - ab Nürnberg werden wir ein zweites Auto haben. Crazy.

Nach Stunden langer Autofahrt erreichen wir den Club sehr pünktlich. Soundcheck, wir haben keine Zeit zum Essen und spielen nur Minuten später noch vor acht Uhr unsere dritte Show. Wir werden eingespielter, schönes Gefühl, keine langen Pausen zwischen den Songs, ein gutes Set. Danach stehe ich auf einer Erhöhung, schaue INVSN an und bin wieder angetan von der Energie, die von der Bühne kommt. Angetan davon, was diese im Publikum auslöst und reflektiert wird. Wie Männer und Frauen (überwiegend Männer) an Dennis’ Lippen hängen, wenn er redet, wie sie die Musik aufsaugen, wenn er performt.

 

Wir werden in einer Musikerwohnung direkt über dem Club in Stockbetten übernachten. Ich bekomme Ohrstöpsel geschenkt, die mit die wertvollsten Gegenstände meines Gepäcks werden. Neben dem Trockenshampoo. 

 

Hameln, Autumn Moon - Gothic Festival. Na endlich! Vor zwei Jahren spielten wir bereits das Festival und ich hatte es seither in wunderbarer Erinnerung. Das Publikum, ein Augenschmaus im schönsten Sinne. Wir werden auf einem Schiff spielen und bekommen kurz vor unserer Show gesagt, dass das Drumkit für die Hauptbühne abgezogen werden muss - entweder wir spielen mit elektronischem oder eben ohne Schlagzeug. Wir entscheiden uns für das elektronische Schlagzeug und den 80s Phil Collins Vibe. In der Ruhe liegt die Kraft. 

Das Schiff füllt sich und wir spielen ein Set vor einem höchst aufmerksamen und liebevollen Publikum gespickt mit Piraten, Wikingern und Mittelalterwesen. 

Nach der Show sitzen wir im Catering, es gibt veganes Curry und Linsenbolognese dazu zwei Flaschen Wein als „Entschuldigung“ der Veranstalter. „Sorry mit dem E-Drumkit, das tut uns wirklich leid, bitte seid nicht sauer.“ „Wie lieb“, denke ich mir, während wir über den dazugehörigen Mittelaltermarkt unterm Sternenhimmel flanieren und ein Sensenmann kurz im Gleichschritt neben mir läuft. 

Eine Stunde Fahrtzeit bringt uns zu Gerlinde’s Airbnb nach Hildesheim, welches auf dem Weg zur nächsten Show in Leipzig ist. 

 

Leipzig. Wir erwachen in Hildesheim bei strahlendem Sonnenschein und trinken unseren Kaffee auf dem Balkon. Wir richten die Gitarren, neue Saiten, Kabel checken, über Feinheiten des Sets reden. Ich fühle mich zum ersten Mal müde vom Autofahren und bin froh mich an mein mir selbst auferlegtes Trinkgebot gehalten zu haben. 

Die Show in Leipzig wird schön werden, wir sind eingespielt, denke ich mir. Wir spielen nun miteinander und nicht nur die Songs. Schön. Licht und Sound sind wie immer in der Moritzbastei ein Traum und machen auch die Show von INVSN noch wirkungsvoller. Dennis redet über Social Media als Band, dass Plattenfirmen ihnen ankreiden, ihr Inhalt sei nicht stark genug. Charmant macht er das - mit Witz und ohne Überheblichkeit. Wie kann man überhaupt auf der Bühne mehr als „Hallo, Danke, Ciao“ sagen denke ich mir bestimmt zum zehnten Mal seit Tagen. Ich lerne wieder.

 

Off Day. Hallelujah. Die erste fünf-Tage-Woche ist beendet und wir haben frei. Unsere Unterkunft liegt geografisch geschickt zwischen Leipzig und München: Nürnberg. Jeder macht, was ihn entspannt. Brodie kocht, Jan und Jeff arbeiten, Lisa und ich gehen in die Therme.  In der Ruhe liegt die Kraft. Mein Abend wird ausklingen mit Nina Simone, einem Glas Wein und diesen Zeilen. 

 


Aftermovie - Crash It! Vol. 2 - Mannheimer Vintage & Custom Drum Messe

 

I'M SOUND war mal wieder auf Tour. Diesmal auf der CrashIt - Mannheimer Vintage & Custom Drum Fair, die am 14.10. im Jugendkulturzentrum Forum Mannheim stattfand. Uns klingeln jetzt noch die Ohren. Und die Herzen. Super laut und herzlich war es nämlich dort zwischen Ausstellern wie Wahan Drums, Tempest Handmade Drums, Midmill Drums, Vulkano Drums, Klangmacherei, DrumChecker u.v.m. Hach, wir freuen uns auf Vol.3!! 🥁🥁❤️🥁🥁


YOU MET THE MANNHEIMERS

 

Wow, das war ziemlich groß, unser Meet the Mannheimers Empfang @ Reeperbahn Festival 2017. Über 400 Gäste durften wir am 21.09. im Hamburger Indra Club auf der Großen Freiheit begrüßen! Danke an alle Bands, Gäste und unsere Partner Popakademie Baden-WürttembergMusic Commission Mannheim und Backstage Pro für diesen rundum tollen Abend.

 

Hier einige Fotobooth-Highlights:


Guitar Summit Aftermovie

 

Unsere I'M SOUND Markenbotschafterinnen Anna und Janina waren vom 08.-10.09. auf dem Guitar Summit in Mannheim unterwegs und haben das Gitarren-Event der Superlative für Euch in einem kleinen Filmchen festgehalten. 

Fotografisch verewigt haben sich auch zahlreiche Besucher des Summit in unserem I'M SOUND-Fotobulli. Die schönsten Schnappschüsse findet Ihr HIER. Enjoy! 


Musiker erzählen - Wir haben zugehört

 

DAVID KIRCHNER: "Ich bin mal tatsächlich über meine Gitarre drüber gefahren. Ich hab die hinten an mein Auto gelehnt und bin dann rückwärts, und hab die gerade einfach überfahren. Das war scheiße."


DAY TWO / Ein Tag im Leben des David:

Mit David zu drehen, ist ein bisschen, wie einem seltenen Tier in freier Wildbahn zu folgen. Ihn überhaupt vor die Linse zu bekommen, erforderte einiges an Hartnäckigkeit und koordinativer Anstrengung. Zu viele Termine. Theaterproben. Bandproben. Auf Tour, bis zuletzt mit Gunter Gabriel (RIP). Letztlich klappt es ganz spontan doch. Wir könnten ihn begleiten zum Staatstheater Darmstadt, wo er abends eine Vorstellung als Theatermusiker habe. Allerdings müssten wir mit ihm vorher zum Friseur. Dringend! Wir willigen ein und planen den Tag.

Am Drehtag erfahren wir, dass der Termin bei seinem Friseur platzt. Planänderung. Wir sollen uns im Laufe des Tages noch daran gewöhnen, dass in Davids Alltag kaum etwas „nach Plan“ läuft.  

Gottseidank macht uns Gagey, mit dem wir am Vormittag drehen, kurzfristig einen Termin bei seinem Maestro klar. 

Mit Wuschelkopf erscheint David pünktlich beim italienischen Herrenfriseur und lässt sich von uns während des Schneidens interviewen. Wir sprechen mit ihm über Beruf und Berufung. David kommt aus musikalischem Hause, der Vater ist ein bekannter Komponist. Seine Zukunft als Musiker stand für ihn schon früh fest.

Der Friseur ist fertig und Davids Haar nicht merklich kürzer, scheint nur adretter gelegt. David trägt es mit Fassung. Wir haben es eilig, Davids Equipment muss noch am Spielort des Vorabends eingesammelt werden.

Wir folgen der unfreiwilligen Howard Carpendale Gedächtnismatte durch den Mannheimer Jungbusch, auf der immer verzweifelteren Suche nach Davids Auto. Er weiß nicht mehr, wo er es abgestellt hat. Während des Laufens telefoniert er mit der Maskenbildnerin des Theaters und versucht sie davon zu überzeugen, ihm gleich nach seinem Eintreffen am Theater die Haare noch einmal zu schneiden. So könne er keinesfalls auf die Bühne. Wir registrieren, der Typ mit den ausgetretenen Schuhen, der augenscheinlichen Flohmarktbrille und dem klaffenden Riss in der Hose ist eitel. Letztlich finden wir sein Auto. Samt Strafzettel. Na wunderbar. Er quittiert es beiläufig.

 

Auf der Fahrt erzählt uns David vom ewigen Spagat zwischen künstlerischem Idealismus und Lebensrealismus. Davon, dass er an Excel-Listen einzig ok findet, dass man sie bunt machen kann. Davon, dass er so verdammt dringend einen Manager brauche, der sein Leben organisiere. Weil er selbst verwundert sei, dass er bei allem Chaos, bei allem Rock’n’Roll, bei allen erschwerten Umständen, die es bedeuten würden, ER zu sein, bislang rechtzeitig zu jedem einzelnen Gig geschafft habe. Selbst wenn durchzechte Nächte, hunderte Kilometer und zu wenig Zeit zwischen zwei Auftritten lägen.

 

Die Maskenbildnerin schneidet ihm nach dem Soundcheck im Express-Verfahren die Haare. Sie hat sich von Davids Charme bezirzen lassen. Man kann auch kaum anders. Während der Zeit mit David werden auch wir ganz automatisch zu seinen Helferlein. Wir be- und entladen mit ihm sein tapfer-wackliges Auto, fahren es für ihn aus Halteverbotszonen und suchen für ihn panisch nach Ansprechpartnern vor Ort. David ist Chaos. Drama. Man schwankt permanent zwischen dem Drang, ihn beschützend zu umarmen und ihm eine Kopfnuss für so viel Wunderlichkeit zu geben. David ist unverstellt und schonungslos echt. Vermutlich die Voraussetzung zur großen Kunst.

 

Schminken muss er sich selbst. Währenddessen erzählt er, wie er einmal ausversehen seine Gitarre überfuhr. Versichert ist er nicht. Natürlich nicht. Man kann nur beten, dass sich wirklich bald ein Manager findet, der sein Leben organisiert.

Kurz darauf öffnet sich der Vorhang zur Vorstellung. Als David mit seiner Gitarre auf die Bühne tritt, sie spielen „Die Räuber“, trauen wir unseren Augen kaum. Trägt er doch tatsächlich eine Perücke? Wofür zur Hölle der Friseur-Hustle? 120 Minuten spielt, schreit, singt und schlägt Davids Figur um sich – 5 Minuten vor Schluss wird er zu Boden gestoßen, ihm die Perücke vom Kopf gefegt. Wir sind versöhnt!

 

David arbeitet aktuell an seiner Solo-Platte. Wir sind sowas von gespannt! Viel Glück, David. Und hey, pass auf Dich auf Junge! 


MEET THE MANNHEIMERS @ REEPERBAHN FESTIVAL 2017

Terminkalender zücken, eintragen bitte: Vom 20.-23.09.2017 findet das Reeperbahn Festival, Deutschlands größtes Live- und Clubfestival, in Hamburg statt - und I'M SOUND ist auch in diesem Jahr wieder mit dabei.

 

Zusammen mit der Popakademie Baden-Württemberg und der Music Commission Mannheim richten wir am 21.09.2017 unseren MEET THE MANNHEIMERS-Empfang sowie ein Showcase mit 3 spannenden Bands im Hamburger Indra Club aus.

 

Du bist als Delegate auf dem Festival unterwegs? Dann komm vorbei und besuche uns auf ein Kaltgetränk. Oder zwei. Es erwarten Dich zudem: nette Leute, small talks, big hellos und gute Musik. Hier der Plan für den Abend:

 

19:00 Uhr RECEPTION

21:00 Uhr SHOWCASE

 

SHOWCASE LINE-UP:

21:00 Uhr   INGOLD

22:30 Uhr   VINCENT HALL

00:00 Uhr   FIBEL

 

Auch ohne Festivalpass bist Du herzlich willkommen. Melde Dich einfach bis 12.09. unter imsound@mannheimer.de für unsere Reception an (Gästelistenplätze solange der Vorrat reicht. Bitte beachte: Die Einladung gilt ausschließlich für unser Event und nicht für weitere Veranstaltungen oder Konzerte des Reeperbahn Festivals.)

 

Mehr Infos findest Du auf Facebook.

 

Wir sehen uns? Wir freuen uns!


GUITAR SUMMIT // TICKET VERLOSUNG

Guitar Lovers aufgepasst: Vom 08. bis 10. September 2017 findet in Mannheim der erste GUITAR SUMMIT statt – eine Veranstaltung, die sich voll und ganz dem Thema Gitarre widmet. Ein ausgedehntes Wochenende lang, von Freitag bis Sonntag  jeweils von 10 - 18 Uhr, wird Mannheim zum Mittelpunkt der nationalen und internationalen Gitarrenwelt und ganz im Zeichen von E-Gitarren, Acoustics, Bässen, Effektpedalen, Amps und Zubehör stehen.

 

Als Partner des GUITAR SUMMIT verlost I’M SOUND 5x2 Tagestickets (Tag frei wählbar)! Mitmachen ist easy. Einfach bis zum 03.09. unseren Gewinnspiel-Post auf Facebook liken und Ihr nehmt automatisch an der Verlosung teil. Die Gewinner werden am 04.09. auf unserer Facebook-Seite bekanntgegeben und via PM benachrichtigt.  

 

Alle Infos zur Veranstaltung findet Ihr hier: www.guitarsummit.de     

 

Teilnahmebedingungen

- Die Gewinner werden benachrichtigt und auf unserer Facebook-Seite bekannt gegeben

- Ein Anspruch auf Auszahlung des Barwertes des Sachpreises besteht nicht

- Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

- Ausgeschlossen von der Teilnahme sind Mitarbeiter*Innen der Mannheimer Versicherung AG  


I'M SOUND @Maifeld Derby 2017

YAY - Trudi hatte wirklich einige Schätze im Kasten!!  Als Warm-Up für die Lachmuskeln haben wir hoch offiziell unsere Horses of Fame gewählt - Alle weitern Fotos vom Maifeld Derby könnt ihr hier finden. Viel Spaß und bis zum nächsten Mal!


The making of "Maifeld Derby" - Ein Interview mit Festivalveranstalter Timo Kumpf

In Mannheim findet vom 16.-18.06.17 ein kleines, aber ultra feines Festival statt. Das Maifeld Derby, das zum 7. Mal auf dem Gelände eines Reitsportvereins stattfindet, ist weit über die regionalen Grenzen hinaus für seine liebevolle Bandauswahl und tolle Atmosphäre bekannt. Timo Kumpf, der Veranstalter des Maifeld Derbys, hat sich inmitten der laufenden Vorbereitungen 10 Fragen und Antworten lang für uns Zeit genommen und aus dem Nähkästchen seines Alltags geplaudert.

 

Du hast in Mannheim studiert, dann einige Zeit in Berlin gewohnt und kamst vor einigen Jahren wieder zurück in die Region. Hätten Du und Projekte wie das Maifeld Derby nicht auch super in Berlin funktioniert?

 

Ich wollte damals aus privaten und auch geschäftlichen Gründen zurück in die Region. In Berlin habe ich vor allem Tourneen gebucht und bin von dort selbst auf Tour gefahren. Wenn ich mir die letztjährigen Programme des Maifeld Derbys anschaue, denke ich mir natürlich schon manchmal, dass da in einer Stadt wie Berlin wohl mindestens 20.000 Leute am Tag kommen würden. Aber auf der anderen Seite ist die Konkurrenz ja auch viel größer und der Markt bereits aufgeteilt, so dass ich so ein Programm niemals hinbekommen könnte. Insofern war das so schon die richtige Entscheidung.

 

Sorry, typische Bandfrage: Was hat es mit dem Namen „Maifeld Derby“ auf sich? Gibt es dazu eine Anekdote?

 

Hmm, so spannend ist das glaub gar nicht. Ich find das Anhängsel „Festival“ halt langweilig und versuche immer den „Event“ Begriff etwas weiter zu strecken. Und aufgrund des Pferde Umfeldes kam ich dann auf den „Derby“ Begriff. Ursprünglich hatte ich „Mühlfeld Derby“ vorgeschlagen, benannt nach dem angrenzenden Feld, aber letztlich wurde da dann „Maifeld Derby“ draus, mehr am Maimarkt als am Monat Mai orientiert.

 

Das Maifeld Derby wurde von den Lesern der Visions und Intro auf die vordersten Plätze der beliebtesten deutschen Festivals gewählt. Wie erklärst Du Dir diesen Erfolg beim Publikum?

 

Es gibt ja durchaus auch Feedback unterschiedlichster Prägung, das mir reichlich egal ist. Aber die sehr positiven Umfragen bei den Lesern von Visions, Intro, etc. freuen mich doch sehr. Letztlich lesen ja heutzutage nur noch Musiknerds solche Zeitschriften, und für die ist auch das Maifeld Derby gedacht. Das hat nix mit Marketing, Lifestyle oder sonst was zu tun, sondern es geht einfach nur um

Musik. Das gefällt mir sehr und macht mich auch stolz, wo doch sonst oft das Riesenrad und die Lage des Campingplatzes Erfolgsfaktoren von Festivals zu sein scheinen.

 

Was erwartet uns neues beim Maifeld Derby '17?

 

Na dann wär’s doch keine Überraschung mehr ;)

 

Okay, lass deiner Kreativität freien Lauf: Du bist Besucher des Maifeld Derbys 2017 und stehst endlich auf dem Gelände. Welches Gefühl beschreibt den Spirit, der dich umgibt?

 

Diese Vorstellung hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Ich habe da ein spitzenmäßiges Team hinter mir und kann mich während des Festivals auch mal aus der Orga rausziehen, ein Bier trinken und mir die Bands anschauen, die ich ja auch gebucht habe um sie selbst zu sehen. Wobei ich den professionellen Blick da nie so ganz rauskriege. Soundqualiät, Gastronomie, etc. Das Ziel war schon immer das Festival nach dem eigenen Anspruch zu gestalten. Und der ist sehr detailliert. Und auch wenn mir der Blick in die Zukunft gerade noch fehlt, ich denke oft an die Auflage 2016, als über dem kompletten Festivalgelände und allen  Besuchern und auch Bands so eine Glückseligkeit herrschte, die ich mir kaum erklären konnte. Und das kann eigentlich nur zum besten Fazit führen, das es gibt: Gute Musik macht glücklich.

 

Du bist nicht nur Veranstalter diverser Festivals und Konzertreihen, sondern auch Bassist bei Get Well Soon und zudem Booker von u.a. Wallis Bird. Wirkt fast, als hättest Du panische Angst vor Langeweile. Wie schafft man so ein Pensum?

 

Das hat bisher immer erstaunlich gut funktioniert, da das alles sehr projektbezogen war. Aber mittlerweile veranstalten wir ganzjährig Konzerte in der Region als Delta Konzerte und haben dementsprechend auch ein Büro mit Auszubildender, Praktikanten und freien Mitarbeitern. Das steigert natürlich die Verantwortung und damit auch den Druck. Daher werd ich das Pensum so auch nicht halten können bzw. muss das auf mehrere Schultern verteilen. Und seit letztem Jahr habe ich bei Get Well Soon auch die Option mich vertreten zu lassen. Das habe ich 10 Jahre mit allen Kräften zu verhindern versucht, aber im letzten Jahr hab ich dann nicht mehr alles unter einen Hut gebracht und damit in 10 Jahren dann vielleicht 5 von 300-400 Shows verpasst. Geht aber auch klar. All diese Tätigkeiten sind aus den verschiedenen Phasen meines Lebens hervorgegangen und haben sich gegenseitig geprägt. Ich glaube ich könnte nix davon aufgeben und bereue auch nichts davon.

 

Was liebst Du am meisten an Deinem Job?

 

Na im Grunde vor allem, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht habe. Das ist ja durchaus selten und daher ein besonderes Privileg. Das muss ich mir auch immer wieder selbst sagen, wenn der Alltag dann auch mal nervt.

 

Was am wenigsten?

 

Im Grunde selbe Antwort wie zuvor. Wenn die Grenzen zwischen Leidenschaft und Beruf verschwimmen, dann ist das auch nicht immer einfach, da einfach der Ausgleich fehlt. Da bedauere ich es manchmal, dass ich die weitschönste Nebensache der Welt zu meinem Beruf gemacht habe. Aber immerhin hab ich mir die schönste Nebensache der Welt noch für mein Privatleben aufgespart. Das war beruflich nie ein Thema.

 

Wenn Du heute Deinem früheren Ich zum Start des Maifeld Derbys einen Rat geben könntest, welcher wäre das?

Hmm, das ist schwierig. Im Grunde bin ich inhaltlich sehr zufrieden wie sich das alles entwickelt hat. Lediglich hinsichtlich des

geschäftlichen Konstrukts hätte man das cleverer aufbauen können. Damals hatte ich Angst vor zuviel Mitspracherecht in einer Vereinsstruktur, da ich mich da schon als Kurator verstehe. Daher lief das Maifeld Derby ganz normal über unsere Agentur mit mir als Geschäftsführer. Aber nun versuchen wir die 2016 gegründete Maifeld Derby UG als gemeinnütziges, kulturelles Projekt

auszugliedern, und das ist leider nicht so einfach.

 

Last but not least – Wann hat das letzte Mal das Thema Versicherung in Deinem Berufsalltag eine Rolle gespielt?

 

Das Thema Versicherungen ist als Open Air Veranstalter natürlich sehr wichtig, gerade nach dem letzten Katastrophen Sommer. Wir sind ja glücklicherweise von Schäden verschont geblieben, aber wenn ein Blitz in sichtbarer Nähe einschlägt, dann geht einem einiges durch den Kopf. Als Musiker wiederum habe ich mich erst jetzt –nach 15 Jahren auf Tour- um eine Versicherung gekümmert. Mir schien das immer zu kompliziert, so dass ich das meist zu lange vor mir hergeschoben hab.

 

Wir sind total gespannt! See You soon J


Exclusive Tour Diary #3: Laura Carbone @SXSW-Festival

Artist-Scouting #2 Martin Kohlstedt

Wer Martin Kohlstedt die Hand schüttelt wird geblendet von seinen weichen, stahlblauen Augen und seinem großen Lachen. In Austin in der Schlange zum German Haus lerne ich ihn das erste Mal kennen und bin angetan von seiner Aura. Gleichzeitig sage ich ihm, wie sehr ich mich auf sein Konzert gefreut habe, es aber leider nicht besuchen kann, da wir parallel spielen. Martin Kohlstedt ist ein Virtuose, spielt auf dem Klavier mit Publikum, Atmosphäre und der Stille. Im Winter wird er in der Philharmonie in Hamburg spielen - ein Konzert, das bereits nach wenigen Stunden ausverkauft war.

 

Ich freue mich sehr, dass er sich Zeit genommen hat ein paar Fragen zu beantworten.

 

Bist du wieder gut angekommen? Du hast ja einen regelrechten USA Roadtrip hinter dir! Wie sieht‘s aus mit deinem Jetlag? Welcher Teil der Staaten hat dir am Besten

gefallen?

 

Hey Laura, wir sind wieder gut gelandet ja. Der Kopf hatte leider nicht viel Zeit, um sich an den alten Rhythmus zu gewöhnen, da ich direkt nach Ankara weiterflog, um dort den 88. Tag des Jahres, den Piano Day, mit einem weiteren Konzert zu ehren. Schaue ich zurück auf die schöne Zeit in den Staaten ist das erste was mir vorschwebt unser Aufenthalt in San Francisco. Eine atemberaubende, entspannte Stadt inmitten der unendlichen Weiten amerikanischer Natur. Es ist schon interessant aus einem Land zu kommen, wo man erst einen Baum pflanzen kann, wenn man

dafür eine Straßenlaterne wegreißt. Da ist noch so viel Platz - das war seltsam befreiend und gleichzeitig hat es zum Nachdenken angeregt.

  

Du bist ja direkt weiter nach Ankara und Istanbul, um dort Konzerte zu geben. Wie fühlt es sich an, so leicht, ohne Klavier zu reisen? Wie sehr vermisst du dein eigenes zu Hause?

 

Ja, die Klaviere stehen meistens schon eine Weile an ihrem Platz und das ist auch richtig so. Es ist einer der spannendsten Momente das Instrument in der jeweiligen Location langsam zu erkunden und schließlich richtig kennen zu lernen. Ganz vorsichtig spielt man die ersten Töne und wird innerhalb von wenigen Minuten "eins" mit dem Holz, den Hämmern und den Stahlsaiten. Jede Nation hat da ihre ganz eigenen Lieblinge die es zu erkunden gilt. Ob ich mein zu Hause vermisse? Einen Großteil des Heimgefühls erzeuge ich in dem Moment für mich, wo der erste Ton des Konzertes beginnt - da bekommt mich auch niemand heraus. Was das Touren betrifft, bin ich eigener Herr unter eigenem Label, wenn ich also nach Haus möchte, tue ich das natürlich schlichtweg.  

 

Welcher Film ist aktuell im Flieger höchst empfehlenswert?

 

"Arrival" habe ich nochmal geschaut, den mochte ich. Ein wahnsinns Soundtrack.

 

US Immigration: Du warst ja im Vorfeld in Teheran für eine Show, ein Stempel im Reisepass, der von der US Behörde aktuell nicht so gerne gesehen wird. Wie hast du dich bei der Immigration gefühlt? Warst du nervös und hast du jemals in Erwägung gezogen deine Show in Tehran für die USA abzusagen?

 

Es gab den ein oder anderen der mir empfohlen hat, den Auftritt im Iran fallen zu lassen, um das SXSW Festival zu ermöglichen. Sowas gibt es aber nicht in meiner Welt. Nach dem wundervollen Aufenthalt in Teheran gab es natürlich kein anderes Thema mehr. Es wurde höllisch viel Geld dahingehend investiert, seinen ersten Fuß in die Staaten setzen zu können und nun konnte es möglicherweise sein, dass wir durch das "Waiver Program" nicht mehr einreisen sollten - für ein Interview in der Amerikanischen Botschaft war es längst zu spät. Die Prozedur an der Grenze dauerte 90 Minuten und hat ordentliche Magenkrämpfe gekostet, schlussendlich waren wir drin, nachdem jede Unterhose gescannt wurde und jede noch so provozierende Frage auf einen einschlug.

 

Strammen Tour/Reiseplan auf deine Gesundheit? Wenn ja, wie?

 

Die Musik ist ziemlich genau das Richtige für meine Gesundheit.

 

Leider fangen den SXSW Showcase im Rahmen der „Modern Composers“ parallel zu einer Show von mir statt, was mich total genervt hat. Wie war‘s in der historischen St. David’s Kirche zu spielen?

 

Das war ein Volltreffer, ich hatte meine Bange auf dem umtriebigen Festival kein ruhiges Örtchen für mein Vorhaben zu finden, aber die St. David’s Kirche war wie ein Oase inmitten von Schall und Rauch. Die Menschen waren fokussiert, konzentriert und begeistert. P.S.: Ich hätte euch auch gern gesehen!

 

Kommen wir zu den Taco’s - welchen empfiehlst du und welches Restaurant ist das Beste?

 

"Trés Amigos" ! Etwas außerhalb... aber noch in Austin. Bei mir gibt es da leider keine verschiedenen Sorten, wenn ich anfange Taco's zu essen, verliere ich den Verstand. 

 

Du wirst bereits in den nächsten Wochen wieder ins Studio gehen. Feilst du schon an deinem kommenden Album?

 

Ganz ehrlich? Ja da passiert was, da passiert gerade einiges... Für November ist der Geburtstermin angesetzt. Aber Pssst.

 

Wir sind begeistert !! J


Exclusive Tour Diary #3: Laura Carbone @SXSW-Festival

Artist-Scouting #1 Gurr

GURR haben ihr Album "In My Head" im letzten Herbst veröffentlicht, welches die beiden besten Freundinnen Andreya und Laura Lee von Berlin aus auf eine kometenhafte Reise schickte. Egal, ob auf Tour mit "Jimmy Eat World" oder bei den eigenen Headlineshows - das Duo wirbelt gerade mit ihrem First Wave Grrrlcore die Szene mächtig auf. Aktuell befinden sich die Beiden mit ihrer Liveband in England und nahmen sich zwischen den BBC1 Aufnahmen und ihren ausverkauften Konzerten einen Moment Zeit, um mit mir das SXSW zu rekapitulieren:

 

Me: Seid ihr wieder gut angekommen? Wie sieht‘s aus mit Jetlag? Ihr reist ja super viel, bestimmt habt ihr ein Hausmittel, um euch schnell zu akklimatisieren, oder?

 

Andreya: Langflüge reißen einen schon ziemlich runter, da kann man so viel schlafen wie man will, denke ich. So ein Flughafen-Sitz-Schlaf ist einfach nicht 100% erholend.

Laura Lee: Generell schauen wir, dass wir genügend Schlaf bekommen, dann ist die ein oder andere Partynacht auch ganz ok. Beim SXSW war das überhaupt kein Problem, da wir ja acht Tage am selben Ort gespielt haben.

 

Me: Abgesehen von euren Schlafmasken, wie macht ihr euch das Reisen angenehm?

 

Andreya: Laura liebt ihr Nackenhörnchen, das bringt bei mir aber gar nichts. Ich schwöre auf Schlafmaske und Ohrstöpsel – auch geeignet, wenn die Unterkunft Mal etwas lauter ist.

 

Me: Welcher Film ist aktuell im Flieger höchst empfehlenswert?

 

Laura Lee: Bridget Jones' Baby, natürlich! Nein im ernst: Ich hab zum zweiten Mal die Oasis-Doku „Supersonic“ gesehen. Da blüht mein Fan-Herz jedes Mal auf.

Andreya: Ich hab' im Flieger nach Austin Texas den Film „Personal Shopper“ gesehen mit Kristen Stewart und Lars Eidinger, der hat mich ziemlich geflasht. Er handelt von einer Zwillingsschwester, die ihren Bruder verloren hat, und als Medium versucht ein Zeichen aus dem Totenreich von ihm zu bekommen. Gleichzeitig arbeitet sie in Paris als Personal Shopper für eine Freundin –genauso weird wie das klingt, ist auch der Film. Aber sehr empfehlenswert!

 

Me: Hattet ihr Probleme mit dem Gitarrentransport im Flieger?

 

Laura Lee: Überraschenderweise nicht. Wir haben uns extra früh zum Boarding angestellt, weil wir Angst hatten, dass wir keinen Platz mehr in den Handgepäckfächern für die Gitarren finden – aber das war absolut kein Problem.

Andreya: Wir sind aber auch mit Lufthansa geflogen; ich kann mir vorstellen, dass Billigfluglinien da etwas knauseriger sind.

 

Me: Wart ihr nervös bei der Immigration? Habt ihr euch im Vorfeld viele Gedanken darüber gemacht?

 

Andreya: Ich war unglaublich nervös, einfach auch weil Flughäfen mich sehr nervös machen.

Laura Lee: Ja, Andrea hat mich neulich vor lauter Aufregung vor ihrem Flug nach Israel sogar angerufen und gefragt: „Was macht man nochmal als erstes, wenn man am Flughafen ankommt?“

Andreya: Ich weiß einfach nie wo ich zuerst hin muss, obwohl es sehr rational und klar ist. Da im Vorfeld von SXSW viele Horrorstories im Internet kursiert sind, von Bands, die an der Grenze abgelehnt oder zurückgeschickt wurden, hatten wir uns schon viele Gedanken dazu gemacht. Aber beim SXSW mit einem ESTA Visum zu spielen, ist in Ordnung und legal und daher gab es auch keine Probleme.

 

Me: Eure Woche war ja unfassbar mächtig und busy! Wie habt ihr es geschafft fit zu bleiben?

 

Andreya: Wie gesagt, viel Schlaf.

Laura Lee: Im Gegensatz zu unserem normalen Touralltag war das SXSW eigentlich ganz entspannt, weil wir an einem Ort bleiben konnten. Wir haben zwar sieben Shows gespielt, konnten aber überall einfach mit unseren Gitarren und Effektgeräten auftauchen, alles einstöpseln und dann los spielen. Das heißt: Keine langen Autofahrten, kein langer Soundcheck, kein Rumwarten, kein Verstärkertragen und keine Parkplatzsuche – das hat schon mal viele lästige Aspekte im Musikeralltag reduziert.

 

Me: Welches war eure Lieblingsshow und warum?

 

Laura Lee: Ich glaube das Finale im Swan Dive war unsere schönste Show. Wir hatten uns am Abend davor mit Ben von der Band PWR BTTM angefreundet. Die gehen in den USA gerade ziemlich durch die Decke, deshalb hab ich es auch nicht so ernst genommen, als er gesagt hat, dass er unbedingt zu unserer Show kommen will. Er stand dann aber tatsächlich in der ersten Reihe und hat uns die ganze Show angestrahlt.

Andreya: Dazu haben unsere Freunde von Sun and the Wolf sich auf die Schultern voneinander gesetzt und mit einem Schuh in der Hand einen kleinen Moshpit angefangen. Die Atmosphäre war auf jeden Fall unglaublich gut.

 

Me: Gab es einen persönlichen Fanmoment? Leute die sweet zu euch waren, oder dass ihr starstruck ward?

 

Andreya: Ich finde Maggie Rogers richtig toll. Als wir im Hole in the Wall gespielt haben, kurz vor unserer Show, laufe ich ihr plötzlich entgegen. Leider musste sie gehen, aber ich konnte nicht an mich halten und hab rausgeschossen: „I love your music!“

Laura Lee: Ich hatte auf dem Reeperbahnfestival schon mal mit Ryan von Broncho gesprochen. Als ich ihn auf dem SXSW gesehen habe, dachte ich, dass er sich bestimmt nicht mehr an mich erinnern kann, aber er wusste sofort wer ich war und hat sich sogar nach meinen Freunden erkundigt. Er hat uns angeboten, uns mit den Leuten zu vernetzen, die sein Album in Oklahoma aufgenommen haben – das war total cool, weil ich seine Aufnahmen und Musik liebe.

 

Me: Welches ist euer Lieblingstacoplace geworden, welches Menü würdet ihr empfehlen?

 

Laura Lee: Ich habe unsere Bassistin Sally und Andreya an Andreyas Geburtstag zu Torchys Tacos mitgenommen, aber die beiden waren überhaupt nicht begeistert. Ich fand die Fried Avocado Tacos großartig! Ich glaube wir konnten uns aber alle auf die IN-N-OUT Burger einigen.

Andreya: Sally hatte vorher recherchiert, dass es ein geheimes Menü gibt. Man kann seine Burger und Fries „animal style“ bestellen, dann bekommt man sie mit Käse karamellisierten Zwiebeln...das sollte man sich auf jeden Fall trauern – schmeckt viel geiler als es klingt. Vor allem betrunken um 1 Uhr nachts.

 

Me: Ich stell' mir das sehr toll vor, solche Momente mit der besten Freundin teilen zu können. Immer jemanden an der Seite zu haben, der einen ergänzt, zum Lachen bringt, stützt und mit einem glücklich ist. Wie handelt ihr das, wenn stressige Momente

kommen, oder jemand einen Durchhänger hat?

 

Laura Lee: Absolut! Wir sind total dankbar, die Andere immer dabei zu haben. Beim SXSW haben Andrea und ich uns ein Zimmer geteilt und es war total schön vor dem Schlafengehen nochmal über den Tag zu sprechen. Es ist ja schon immer viel zu verarbeiten auf so einer Tour.

 

Me: Andreya hatte ja Mitte der Woche Geburtstag, Laura beim Rückflug. Wie war das so auf Tour Geburtstag feiern? Was habt ihr euch geschenkt?

 

Laura Lee: Als Belohnung für den ganzen Tourstress will ich Andreya im April in die Liquidrom-Therme in Berlin ausführen.

Andreya: Laura hat seit kurzem eine Obsession mit Ed Sheeran entwickelt, deshalb hab ich ihr eine Ausgabe des Rolling Stone mit Ed Sheeran auf der Titelseite geschenkt. Dazu gab es ganz Rockstar-like Fiji-Water, Kuchen und einen Ballon auf dem großen Happy Birthday stand, der dann den ganzen Tag aus ihrer Tasche geguckt hat, als wir zum Flughafen gefahren sind.

 

Me: Für euch war SXSW ja nur eine Station in einem gigantisch vielversprechendem Jahr. Auf was freut ihr euch am meisten?

 

Andreya: Die lange UK-Tour im Mai und der Festival-Sommer! Wir haben noch nicht so viele Festivals gespielt und sowas wie The Great Escape, Latitude oder Iceland Airwaves zu spielen ist suuuuper cool.

 

Me: Ich weiß, dass ihr schon an den ersten Demos für das nächste Album feilt. Wollt ihr schon was darüber sagen? Gibt es ein Leitmotiv, oder lasst ihr euch erstmal treiben?

 

Laura Lee: Ich glaube, wir waren im letzten Jahr sehr viel mit dem Thema Arbeit (und vielleicht auch Arbeitslosigkeit) beschäftigt. Wir haben Ende des Jahres beide unsere Jobs aufgegeben und machen jetzt nur noch Musik. Das ist in erster Linie natürlich total schön – war aber auch mit Zukunftsängsten verbunden, die dann auch in unserem Songwriting aufgetaucht sind. Dazu haben wir beide absurde Erfahrungen in unseren Jobs gesammelt, die wir auch in ein paar Songs verarbeiten: Andrea hat in einer Bar gearbeitet, wo es ja sowieso vor Geschichten wimmelt, und ich in einem Start-up, was teilweise auch sehr absurd war.

Andreya: Wir haben zwar eine vage Idee wohin es thematisch gehen soll, aber nehmen diese Idee auch sehr abstrakt war und wissen, dass wir damit spielen können. Im April wird es das erste Mal sein, dass wir Zeit haben, uns zusammen hinzusetzen und

an Songs zu arbeiten. Das ist für uns sehr aufregend!

 

Wir wünschen GURR alles Gute und viel Erfolg auf ihrer weiteren Reise. You go GURRLs!

 


Exclusive Tour Diary #2: Laura Carbone @SXSW-Festival

Ich werde geweckt. Meistens von den Vögeln, die ich mehrfach mit meinem iPhone-Vogel-Gezwitscher-Wecker verwechsele und somit jedes Mal regelrecht vor der geballten Natur erschrecke. Natur ist in Austin sehr präsent, meistens in Form von großen Spinnen und Käfern oder bizarr aussehenden Vögeln, mit viel zu langem Schwanz und schwarz-lila-blau

changierendem Gefieder. Sie dominieren die Vorstadt. Sirenengeheul Downtown.

 

Es ist Mittwoch, der Tag nach unserer ersten Show und heute werde ich von meinem Bassisten geweckt. Für ihn gibt es Oatmeal, für mich Kaffee. Gemeinsam rekapitulieren wir die Nacht bevor wir dann Guacamole essen, das Equipment ordnen und nach Downtown gehen. Zum Geburtstag im letzten Jahr habe ich einen Gutschein für Waterloo Records in Austin geschenkt bekommen. „Jetzt musst du zum SXSW fahren - keine Widerrede“, sagten die Schenker. Ich war mir damals noch nicht so ganz sicher, wie gut diese Idee ist wieder dorthin zu fahren. Nun freue ich mich aber sehr, den Gutschein in den Händen haltend durch die Gänge des Plattenladens zu schlendern und mir mindestens zwei Vinyls aussuchen zu können.

 

Es steht fest, dass ich eine Country-LP von einer lokalen Band kaufen möchte. „Lift to Experience“ wird es sein, die Band, die unseren Showcase am Samstag in der Kirche headlined und deren Sänger, Josh T. Pearson sich mit seinem Album „Last of the Country Gentleman“ in mein Herz gedichtet hat. Insgeheim hoffe ich, sie mir Samstag signieren lassen zu können, weiß aber ganz genau, dass ich dafür eigentlich zu schüchtern bin. Als weitere Platte wird Nick Cave’s Skeleton Tree mit mir nach Hause fahren. Eine meiner Top Alben im letzten Jahr, die ich bisher nicht als Vinyl besessen habe. Es gibt Burger und Pommes bei der Reeperbahn Festival Bude und Bud Light. Mein neues Sommergetränk. Ich hatte noch nie viel für Bier übrig, finde aber in Austin

heraus, dass Bud Light glutenfrei ist und bin angetan bei 30°C eine Erfrischung abseits von Diet Coke zu finden.

 

Ich treffe mich gegen Abend mit meinem Label und wir gehen gemeinsam ans gefühlt andere Ende von Downtown, um im „Hotel Vegas“ den Showcase unserer Freunde aus New York, den „Tempers“, anzusehen. Sehenswerte Ice-cold slow static disco für 20 Minuten - ohne Gästeliste wäre das Schlangestehen weitaus länger gewesen als die Show. Es wird spät und ich langsam nervös. Für den nächsten Tag stehen zwei Shows an, die erste um 11 Uhr morgens und ich möchte ausgeruht sein. Wir laufen zurück nach Downtown. Ich möchte den schnellsten Weg durch eine Seitenstraße nehmen, werde am Arm zurückgezogen. Ob ich nicht gehört habe, dass jemand die Tage genau hier angeschossen worden sei. Wir laufen den längeren Weg an der Hauptstraße entlang. Na gut. Man vergisst ihn ständig, diesen bizarren Waffenwahnsinn. Wird dann daran erinnert, wenn in Shopfenstern auf eine „Gun Free Zone“ hingewiesen und das offene Tragen einer Waffe somit verboten wird. Oder beim Passieren eines Shops, der ironisch „Gold & Guns“ anbietet.  Im letzten Jahr lebten wir während SXSW auf einer Art Aussteiger-Farm in Austin. Wir hatten unterhaltsame Konversationen mit unserem Nachbarn über Gürteltiere, unsere Autobahnen und natürlich Waffen. Als wir eröffneten, dass wir noch nie eine solche in der Hand hielten, war dieser vom Mitleid getroffen und bot hilfsbereit an, hier unseren Horizont zu erweitern. Er kam nach einigen Minuten zurück von seiner Wohnung, um uns mitzuteilen, dass er grad auch nicht weiß, wo er diese verlegt, aber sie wahrscheinlich nur seinem Kumpel geliehen hat.

 

Es ist kurz vor 11 Uhr am Donnerstagvormittag. Wir schließen unser Equipment auf einer sehr professionellen, viel zu hellen Bühne an, ich fühle mich nicht gut. Unser Publikum verweilt an Stehtischen auf rotem Teppich und ist durch Molton abgetrennt vom Rest des riesigen Austin Convention Center. Ich höre meinen Schlagzeuger fluchen: „Fuck,…Adapter.“ Ich renne hinter die Bühne, bitte die Band, die vor uns gespielt hat um Hilfe. Briten, die hoffentlich einen EU/US Adapter bei sich tragen und ihn uns leihen. Wir haben Glück. Problem gelöst. 3 Minuten bis zur Show.

 

Wir treffen hinter der Bühne auf James Minor, den CEO des Festivals, der uns für die Show viel Erfolg wünscht. Mir geht es weiterhin schlecht und ich hoffe auf einen Stromausfall, der nur die grellen Deckenleuchten betrifft. Wir spielen unser Set vor gebanntem Messepublikum, während ich mir selbst einrede, dass Licht nichts Schlimmes ist und es keinen Grund für Übelkeit gibt. Ich bin erleichtert, als die 45 Minuten vorbei sind, ich mein Kleid wechsle und der entspannte Teil des Tages beginnt. Nach dem Freunde-Drücken, Händeschütteln und Visitenkarten-Tauschen im Anschluss an die Show dürfen wir unser Equipment im Hotelzimmer eines Bekannten parken, welches genau auf halbem Weg zur Show am Abend liegt.

Wir essen Burger auf der Sixth Street und treffen anschließend Label, Vertrieb und SUN AND THE WOLF auf einer kleinen privaten Party. Es geht weiter im Backyard des Sheraton Hotels um 19 Uhr. Eine Gartenparty mit Foodtrucks und öffentlichem Zugang, auch ohne SXSW Ticket. Wir treffen bekannte Gesichter, die wir die Vortage auf diese Show eingeladen haben und freuen uns auf eine vergleichsweise entspannte Show, bei der man auch mal Margarita trinken und etwas Anspannung abfallen lassen kann.

 

Eine sehr aufgedrehte Band spielt vor uns, die Sängerin voller Elan und Lebensfreude, wir der eiskalte Kontrast. „Hello I’m Laura Carbone and this is my wonderful band. We are the sad act of the line up“. Wir genießen die Show bei Abenddämmerung, während ein leichtes Lüftchen durch die Haare weht und die Hotelgäste im Pool plantschen. Es lässt sich hier für einen Moment vergessen, dass wir auf einem Showcasefestival spielen. Nach der Show Abbauen, Equipment verräumen und ein Bekannter huscht zu mir herüber und sagt, dass er gerne noch etwas mit uns trinken möchte, er aber zum „nächsten Sad Girl“ muss. „Are you going to Lana del Rey?“. Das SXSW ist für Überraschungsacts bekannt. Lana del Rey wurde 24 Stunden vor ihrer Show angekündigt. Die Show selbst exklusiv nur für geladene Gäste oder Inhaber der Premium Tickets. Er geht zu Lana del Rey, steht auf der Gästeliste. Ich frage, ob ich mit kann. Er sagt „Ja.“ Ich sterbe.

 

Gemeinsam mit gut 400 anderen Menschen darf ich mir selbst ein Bild von Lana del Rey machen und bin selig, als ich ihr und Band 45 Minuten zuhören darf. I love SXSW und falle viel zu spät ins Bett.

 

Es ist Samstag - fast letzter Tag. Es geht für ein Interview Downtown und ich bitte Chang, den Parkplatzwächter, um ein Bild und er ist sich nicht sicher, was er davon halten soll. Wir kaufen Souvenirs bei „Tears of Joy“ - Chilisoße, na klar! Und leihen uns ein Drumset für 200$, um die Show in der Kirche am Abend spielen zu können.

 

Central Presbyterian Church Austin Texas. Für mich das Highlight, auf das ich hin fiebere. Endlich in einer Kirche meine Lieder singen. Endlich mit vollem Hall. Die Show wird eine sehr ergreifende sein, wir spielen extra dynamisch, werden oft leise, lassen den Hall der Kirche wirken. Nach 45 Minuten ist die Show vorbei, beim letzten Ton fällt sehr viel Last von mir ab und die ersten Menschen erheben sich von den Bänken zum Beifall. Ich bedanke mich, gehe Backstage, drücke meine Band und werde emotional. Es klopft an der Tür. Jemand sagt uns, wie sehr er das Set genossen hat und weitere nette Worte. Ich denke, dass ich ihn schon einmal gesehen habe. Ich gehe kurz an die frische Luft und werde wieder von dem Herren angesprochen wie toll die Show war. Ich nehme mir meinen Mut zusammen. „Are you the guys of Lift to Experience“ Ja, sind sie. Und ich bin um eine Unterschrift und ein Polaroid von Josh T. Pearson reicher. Die Nacht wird eine lange werden. Wir werden die Backline zurückfahren, per Paypal bezahlen und viel zu spät schlafen gehen.

 

Der nächste Morgen ist geprägt vom Packen, Haus säubern und dem Aufbrechen der Badezimmertür, die sich wie von Zauberhand selbst zugeschlossen hat. Gut, dass wir natürlich Schraubenzieher, Gaffa und Zange dabei haben.


Am Flughafen muss sich der junge Herr vom Bodenpersonal beim Check-In bei seiner Cheffin erkundigen, wie das denn mit den Gitarren und dem Bass ist. Dürfen die überhaupt in den Passagierraum oder sollen die doch besser als Gepäck aufgegeben werden? „Laura, is it you?“ „Yes it’s me“ - „Amazing, you’re back again! We took a photo together last year here at Houston Airport on your way home from SXSW.“ Stimmt, ich erinnere mich und nein, Gitarren im Handgepäck sind absolut kein Problem. Ich gebe ihr den Flyer von diesem Jahr und wir scherzen, dass wir uns im nächsten Jahr, zur selben Zeit sicher wieder sehen.

Mein Herz weint ein wenig, denn ich weiß, dass drei Mal SXSW utopisch ist.

 

Wir bestellen Wein und Baileys, hoffen auf einen erholsamen Schlaf im halb leeren Flugzeug. Ich schaue mir „Dallas Buyers Club“ an und langsam kommt er und grüßt wie ein alter Freund - der Post Tour Blues.


Exclusive Tour Diary #1: Laura Carbone @SXSW-Festival

Es ist 4:45. Endlich klingelt mein Wecker, ich bin schon länger wach. Wir fliegen heute in die USA, nach Austin Texas, um zum zweiten Mal bei SXSW zu spielen. Ich bin voller Vorfreude und sehr aufgeregt auf die nächsten Tage und die nächsten noch so kleinen Stationen.

 

Mein Gepäck besteht aus einem großen Koffer, den ich aufgeben werde, einem Jutebeutel und meiner Gitarre im Softcase als Handgepäck. Eine Stunde später treffe ich meine Band im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens - alle da. Erste Station geschafft. Nach dem Check in weiter in Richtung Gate, Security Check. Erfahrungsgemäß wird mindestens einer der Band jedes Mal auf Sprengstoff getestet. Dieses Mal bin ich es. Schuhe aus, Gitarre auspacken, erzählen, was man in den USA vor hat. „Ja, wir sind eine Band, Ja, wir spielen SXSW, hier ein Flyer.“ Ein Flyer kann in diesem Fall ein kleiner Türöffner sein und Dinge beschleunigen. Muss aber nicht. Heute habe ich Glück, sodass wir in Rekordzeit das Gate erreichen und ich dort das erste der sprichwörtlich drei Kreuze mache.

 

Wie jedes Mal vor einem Flug wissen wir nicht, wie einfach oder kompliziert es sein wird, die zwei Gitarren und den Bass als Handgepäck bei uns haben zu können. Wir sind zuversichtlich, da wir Lufthansa fliegen, werden jedoch skeptisch, als wir die Anzahl der Passagiere sehen, die ein Instrument bei sich tragen.

 

Wir treffen unsere Label-Buddies von GURR, die eben ihren ersten Flug aus Berlin nach Frankfurt hinter sich haben und im gleichen Flieger wie wir nach Houston fliegen werden. Die Freude über das Wiedersehen lässt die Anspannung über unser überdimensionales Handgepäck vergessen und ehe wir uns versehen, sitzen wir tiefenentspannt und ohne Diskussion angeschnallt im A380. War doch ganz einfach bis hierhin. Ich sehe mir „LaLa Land“ an und werde um ein Powernap reicher. Danach folgt „Personal Shopper“, ein kleines Meeting mit GURR in der Küche des Fliegers und „Florence Foster Jenkins“, bevor wir in Houston landen. Angenehmer Flug und problemlose Reise bis hierhin, zweites Kreuz.

 

Wir landen in Houston, große Freude, als wir das Boardpersonal der Lufthansa vom letzten Jahr erkennen. Eine Anekdote über Gitarren als Handgepäck und Konzertflyer als Beschleuniger folgt, die uns durch ein kurzes Lachen von der weiteren, größten Hürde ablenkt: Immigration. Wir reisen mit dem ESTA Visum, haben einen individualisierten „Support Letter“ des SXSW zur Hand und die Key-words im Kopf: „Promotion Show, keine Gage, nur offizielle Showcases,…“. Wir sind vorbereitet und doch könnte die Reise hier schon zu Ende sein. Jeder von uns wird einem anderen Schalter zugewiesen. Mein Basser ist der Erste im Land, mein Schlagzeuger folgt, danach passiert mein Gitarrist. Im Flieger spielten wir alle Eventualitäten durch. In dieser Konstellation würden meine Band als „The Armadillos“ meine Showcases spielen und von einem großen Major weltweit unter Vertrag genommen werden, während ich weinend im Flugzeug nach Hause sitze.

 

„Hello, how’s it going“, „Fine, how are you“, „Good“, „What are you heading to“, „Austin, TX“, „Oh, you’re going to the Festival, right“, „Yes“, „How would I know about it“, „Maybe because of my Guitar“, „Oh you’re having a guitar with you? I didnt see that!“

 Was nun folgt, ist eine schmale Gradwanderung und für mich nicht definierbar, ob Investigatives Fragen, oder doch eine nette amerikanische Unterhaltung. Der Grenzbeamte ist interessiert - sehr interessiert. Welche Musik mache ich, bin ich alleine? „Nein, meine Band ist da und schon immigriert“ - „Oh, die waren im gleichen Flieger und sind schon passiert?“ „Ja“ - Ich werde gegoogelt, man stellt fest ich war hier beim Festival letztes Jahr schon. Warum eigentlich? Und mein Pressebild sieht mir trotz 11 Stunden Flug sehr ähnlich. „Ja,… hehe danke“. Man könnte mir Austin zeigen, mal nen Margarita trinken gehen. „Ja,… hehe sehr gerne!“ Wie könnte man nicht wollen.

Ich treffe meine wartende Band 20 Minuten später in der Gepäckausgabe. Der erste Applaus in den USA 2017 folgt. We’ve made it. Wir sind drin. Drittes Kreuz. Erster Taco.

 

 

Wir treffen GURR in unserem Lieblings-Autobahn-Tacoplace, den wir letztes Jahr entdeckten und dank Geotags in unseren Handy wieder finden konnten: Los Cucos - Mexican Cafe.

Es gibt Margaritas, Tacos, die ersten Polaroidbilder, massig gute Laune und Guacamole.

 

Nach einem Großeinkauf bei Walmart (Captain Crunch, Bier, Mac’n Cheese, grüner Smoothie und Avocados), erreichen wir unser Haus in Austin um Mitternacht. Wir fallen ins Bett, der erste Tag ist geschafft, wir sind da und SXSW kann beginnen.

Guacamole zum Frühstück auf der Veranda - es riecht nach Frühling. Die Tage beginnen meist einheitlich - Frühstück, Kaffee, Equipmentcheck. Die amerikanischen Steckdosen und die Elektrizität meiner Effektpedale sind mein persönliches Dilemma. Und so kaufe ich am ersten Tag ein amerikanisches Netzteil, welches dieses für mich lösen und kompatibel sein soll. Nach der ersten Show lerne ich, dass dies noch nicht die Lösung, aber ein guter Ansatz war.

 

Bis zur ersten Show vergehen jedoch zwei lange Tage, die mich sehr ungeduldig machen. Wir holen unsere Artist Wristbands ab, die uns Zugang zu jeder Show ermöglichen, haben die zweiten Tacos des Trips bei Chupacadabra auf der 6th Street, die am Monat Mittag ungewöhnlich ruhig ist. Für mich gibt es meinen Lieblingstaco - Baja. Gegrillter Fisch, etwas Kraut, Chili Mayo und Ananas auf Corntortillia. Love it. Danach gehen wir vintage shoppen, ich finde eine gefütterte Winterjacke aus den 60ern, kaufe sie jedoch nicht, weil ich es absurd finde in Texas bei 30°C eine Winterjacke zu kaufen. Sie wird mir nicht aus dem Kopf gehen. Vielleicht schaue ich gegen Ende des Trips nochmal rein.Wir entscheiden uns am Abend den Bus in die Stadt zu nehmen und erleben unser erster Highlight, welches nichts mit Tacos zu tun hat. Zwanzig Minuten werden wir durchgeschüttelt und können es kaum glauben, dass der Bus fahrtüchtig ist und nehmen an unterhaltsamen Konversationen teil, ehe wir auf der 7th Street neben der Heilsarme ausgespuckt werden. Austin ist voller Kontraste. Die 7th Street verdeutlicht, wie nah Traum und Alptraum in dieser Woche sind. Wir passieren Obdachlose, schlafend im Delirium, in bester Laune und der Boden der Tatsachen fühlt sich ein kleines Stück härter an.

 

Wir treffen die anderen Deutschen im German Haus, wo am Montag Abend der Berlin/Brandenburg Showcase stattfindet. Es gibt (fast) free drinks und unsere Freunde von GURR und SUN AND THE WOLF werden spielen. Wir haben einen rauschenden Abend und den ersten Hangover am Dienstag.

 

Meine Bühnendeko besteht aus drei Rosen, die ich an mein Mikrostativ binden werde. Diese werden die teuersten, aber vielleicht auch schönsten Rosen sein, die ich in meinem Leben je gekauft habe. Wholefoods, 16€. Kann man mal machen, im Urlaub guckt man nicht aufs Geld. Und das hier ist doch fast Urlaub, oder?

Burritos zum Lunch, einen Drink beim German House, umherstreifen zwischen 6th Street und Trinity Street und Tacos zum Abendessen. Das Warten auf unseren ersten Showcase gestaltet sich sehr kohlehydratlastig.

 

Es ist Mittwoch. Heute Abend erste Show! Es steht wieder German House auf dem Programm - ein Lunch mit free Drinks. Wir sehen uns Konzerte an, ich kann den Abend nicht erwarten.Ein Powernap später schleppen wir unser Equipment von unserem Stammparkplatz in Downtown zur Location: Swan Dive.Unser Parkwächter, ein Unikat. Asiate, der gefühlt 24 Stunden auf diesem Parkplatz verbringt und eindringlich zum „Double Check“ des Parkausweises auffordert. Dieser muss von Innen an der Windschutzscheibe sein. „Please double check!“. Machen wir, versprochen.

Wieder warten im Swan Dive. Vor uns spielt im Außenbereich ein Rapper, Porter Ray. Zwei Menschen vor der Bühne, die Performance als ob er im ausverkauften Club spielt. Ich bin beeindruckt. Drinnen steht Alice Phoebe Lou - based in Berlin aus Südafrika. Straßenmusikerin, die ich schon oft im Mauerpark gesehen habe. Wunderschön, der Sound dieser Engelstimme zu spitz gemischt. Mein Bassist spricht mit dem Tontechniker, erklärt ihm nochmals unser Setup - welcher Hall auf meine Stimme soll. „Big Church Reverb“.

 

Ich bin sehr nervös, baue mein Equipment in Sekundenschnelle auf, die Tür des Swan Dives - ein Taubenschlag. Bis kurz vor der Show wird es nicht zu erahnen sein, wie gefüllt der Laden sein wird. Die ersten Bekanntschaften vom letzten Jahr trudeln ein, wir freuen uns über ein Wiedersehen, während ich meine Gitarre stimme und meine Pedale einstelle. Ein schneller Soundcheck, alles steht. 7 Minuten bis zur Show. Ich bin so nervös. Eine kurze Gruppenumarmung und das Set beginnt. Das Swan Dive ist überraschend gefüllt - busy würde der Amerikaner sagen. Wir spielen 45 Minuten, die sich wie eine Sekunde anfühlen werden. Weit über die Hälfte unserer Songs sind neu, Livepremiere sozusagen. Alles klappt, nur meine Effektpedale streiken - egal, weiterspielen und genießen. 

 

 

Dann ist sie schon vorbei, die erste Show. Meine Bühnenrosen werden das Souvenir der Nacht für drei Menschen werden und wir hängen noch ein wenig in der Location ab, bis wir wieder unser Equipment durch die Nacht zum Parkplatz tragen. Der Parkwächter lobt unser Parkticket an der Windschutzscheibe und wir nehmen einen kleinen Absacker in Danny’s Restaurant. Burger für die Herren und für die vegetarische, glutenfreie Dame ein Cheddar Cheese Hash Brown. Yumm.